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20.2.2003

KULTUR

Die Entdeckung des Bildhauers August Dyrda für ein zukünftiges Europa


Die Entdeckung des Bildhauers August Dyrda für ein zukünftiges Europa

„Im Wandel der Zeit“, dem Inbegriff aller Veränderungen, der in den letzten Jahren der Welt ein neues Gesicht gab, hat auch der bekannte Bildhauer August Dyrda aus Tichau O/S, das Neue entdeckt. Der heute 77-jährige Künstler kann auf ein arbeitsreiches und wirksames Leben zurückblicken, und auch gab er der schlesischen Kultur ein neues Gesicht.

August Dyrda hat den größten Teil seines künstlerischen Wirkens unter dem Einfluss des sogenannten „Realen Sozialismus“ erschafft, in einer Zeit, wo auf monumentalen Größe der Werke und Denkmäler Wert gelegt wurde, denn so wollten es die Machthaber aus dem Osten. Der oberschlesische Bildhauer aber hatte in seiner bescheidenen Wirkungsfreiheit immer versucht das Feine, Ausdrucksvolle und Harmonische Gepräge seinen Werken beizugeben und zwar aufgrund altertümlicher, mythologischer Bildhauerkunst. Auf diese Weise entstanden eine ganze Reihe von Denkmälern, die in natürlicher Größe aus Stein und Granit gehauen, heute in oberschlesischen Erholungsparken zu sehen sind, und den Ansprüchen der 60 und 70-ger Jahre des XX Jahrhunderts Folge leisten. Es gab aber auch eine ganze Reihe von anderen polnischen Künstlern und Kulturträger, die der, zu jener Zeit herrschenden Ideologie unterwürdig waren, und damit auch zu den Volksunruhen der 80-er Jahre beitrugen. Hier muss man leider hervorgehoben werden, dass auch heute noch viele Künstler in Oberschlesien in ihrem Schaffen sich die Errungenschaften neuzeitlicher Technik mit Hilfe des Computers zum Nutzen machen. Auf diese Weise vernichten sie ihre eigenen Talente und persönliche Schaffensdrang. Der beste Beweis dafür war die Kunstausstellung junger Kattowitzer Grafiker, die im vergangenem Jahr am Rhein und Ruhr stattgefunden hatte. Der Drang per Knopfdruck auf dem Computer und nicht mit dem Pinsel und dem Bleistift zu arbeiten, monumentale Werke zu schaffen, wobei gegen alle und alles protestiert wird, hat mit künstlerischem Schaffen wenig zu tun, und wird in Fachkreisen einfach abgewiesen. Jene Art von Künstlern, die vor der Konkurrenz des Photographieren Furcht hegen, verlieren den Glauben an ihre eigene Schaffenskraft, und geben sich den Errungenschaften neuzeitlicher Technik hin, wobei nicht wenig Schuld die maßgebenden Behörden davon tragen.

Diese Erfahrungen musste auch August Dyrda machen, der die eigentlich Bildhauerkunst bei keinem anderen als dem größten polnischen Bildhauer seiner Zeit Professor Xawery Dunikowski erlernte. Dessen größtes und monumentales Werk ist heute noch auf dem Annaberg bei Leschnitz in Oberschlesien zu sehen. Es ist auch gleichzeitig der Beweis dafür, wie weit Dunikowski, der damals herrschenden Ideologie untertan war, und sich den Forderungen der Machthaber der Zeit anpasste. Kein Wunder, dass der Künstler auch seinen Schülern diese Ideologie beibrachte und keinen Widerstand erlitt. Er hatte die Aufgabe eine neue Kultur der Arbeiter der Bauernklasse zu schaffen, der billiges Brot verabreicht wurde, damit sie nur nicht auf den Gedanken kommen könnten, gegen dieses Regime zu rebellieren. Der reale Sozialismus - „Soz-Realismus“ als Friedenstifter

Hier scheint Friedrich der Große, der 1742 Schlesien zu Preußen einverleibte, als Beispiel gedient zu haben. Der große König, der nicht nur als Feldherr und Kunstliebhaber von sich Reden machte, hatte auch nach Schlesien Kartoffeln eingeführt, damit sich seine Untertanen den Bauch voll stopfen, getreu seinem Grundsatz: „Ein Mensch, der den Magen voll hat, rebellier nicht“.

Der bekannte und beliebte, heute schon 77-Jahre alte Bildhauer, August Dyrda, hatte seit Kriegsende nie seine Heimat Oberschlesien verlassen. Seine Heimat und Schaffensart, bis auf den heutigen Tag, ist Tichau in Oberschlesien. Fest mit seiner Heimaterde verbunden, versuchte er immer seinen Werken ein oberschlesisches Merkmal beifügen, was ihm aber nicht immer gelang, denn er musste Rücksicht auf seine Auftraggeber nehmen, die für seine eigene Vision keinerlei Interesse aufbrachten. Außerdem waren sie es, die ihn dafür bezahlen, schließlich muss man ja von etwas leben. Zu seinen meist bekannten Werken gehören die Büsten des Kattowitzer Wojewoda Jerzy Ziêtek, des polnischen Nationalisten Tadeusz Ko¶ciuszko, des sowjetischen Marschall Konstanty Rokossowski, und des sowjetischen Oberpolizisten Felix Dzier¿ynski. Die beiden letzten sind im „Wandel der Zeit“ bereits entfernt worden und zwar spurlos. Im Kattowitzer Wojewodschaftsparlament kann heute die Porträtierungen verdienter polnischer Oberschlesier betrachten wie Karl Miarka, Lechoñ, Lompa und Stalmach. Seine größten, was die Ausmaße betreffen, Werke das Standbild einer großen polnischen Schriftstellerin Eliza Orzeszkowa, Arkadiusz Bo¿ek, oberschlesisches Aufständischendenkmal, des Diskuswerfers, Helden der Roten Fahne, des Marschalls Koniew und zuletzt Stalins. Die beiden letzten sind auch spurlos verschwunden.

Zu den Werken, zu welchen er in Gedanken immer zurückkehrte und oft persönlich besucht, sind das aus Stein gehauene „Tanzende Paar“ in Lebensgröße, die Eurydike, Bergmänner und Hüttenarbeiter, die auf dem Rasen des oberschlesischen Erholungsparks in Chorzów zu sehen sind.

Sein größtes monumentales Werk ist „Tat und Arbeit“, das aus sozialistischer Zeit stammte. Im Grunde genommen hatte August Dyrda die Absicht dieses Werk unter der Bezeichnung „Denkmal der Einigkeit und Zusammenarbeit“ herauszugeben, um die gegenseitigen Verhältnisse zwischen der einheimischen Bevölkerung und den nach Oberschlesien eingewanderten Polen in der Zeit hervorzuheben, doch die Behörden erlaubten ihm es nicht. Im Volksmund wird heute das Denkmal als „Giraffe“ bezeichnet, denn es hat die Gestalt dieses Tieres.

Warum verkaufte Dyrda seine Werke, im Gegensatz zu seinen Künstlerfreunden in Westen, sehr billig? Sein Streben war niemals auf Verdienst gerichtet. Er berücksichtigte in seinem Preis die Produktionskosten, die Kosten der Vorbereitung für einen Bronzeguss, die Herstellung eines Gipsmodel. Von der Schlosser- oder Zimmermannsarbeit konnte keine rede sein, er hat das immer als Nebenarbeit selbst gemacht. Die Herstellung des Ton- und Gipsmodells des Reden-Denkmals nahm ihm, bei der außerordentlichen Arbeit, die 18 Monate in Anspruch. Dabei verdiente er nur so viel, wie ein Medaillon-Gießer, der 200 Medaillons von einem Durchmesser von 12 cm herstellt.

August Dyrda hat nichts von seiner Energie, von seinem Tatendrang und seiner Schaffenskraft verloren. Seine Erfolge hat er nur sich selber zu verdanken, denn von Seiten der Behörden und kulturellen Gesellschaften erhielt er wenig Hilfe.

Sein letztes, denn Dyrda wartet weiter auf Aufträge, ist das 3,1 Meter Grosse Standbild des Berghauptmanns Graf Friedrich Wilhelm von Reden, der aus Niedersachsen stammte, im Auftrag Friedrich des Großen 1776 nach Oberschlesien kam, und hier den Grundstein für die oberschlesische Industrie legte.

Das Denkmal wurde am 6 September 2002 in der Stadtmitte der Stadt Chorzów (Königshütte) feierlich enthüllt.

Schon in der Jugendzeit zeigte der junge August großes Interesse für das Zeichnen und Malen, was ihm von Seiten seiner Mitschüler viel Spott einbrachte. Seine damals polnischen Volksschullehrer in Tichau schüttelten ihre Köpfe darüber, jedoch nicht alle. Seine Mutter hatte ihn für das Schlosshandwerk bestimmt, er selber wollte Schiffsbauer werden. Das Schicksal hatte es jedoch anders bestimmt. Die neue Perspektive der Bildhauerei hatte vor ihm in der Berufsschule in Nikolai sein Meister, als Selbständiger vorgeschlagen.

Anfang der 50-er Jahre wurde August Dyrda von dem größten polnischen Bildhauer damaliger Zeit in der Krakauer Kunstakademie, und zwar von Xawery Dunikowski vorgestellt, denn der Künstler war sehr beeindruckt von dessen Probearbeiten. Nach einigen Jahren machte sich Dyrda selbstständig, und eröffnete sein Werkstatt-Atelier in Tichau.

Es waren jedoch schwere Zeiten, denn die überall herrschende kommunistische Ideologie hatte auch ihren Einfluss in der Kultur, hemmte die eigene Initiative und Forschungsgeist der Künstler, die den sozialistischen Idealen nicht entsprachen. Künstler, die sich den Regeln nicht unterwerfen wollten, wurden einfach übersehen und kaltgestellt. Dyrda fehlte es an Aufträge, konnte daher keine Gewinne in seiner Werkstatt erzielen. Um für sich und seine Familie den Lebensunterhalt zu sichern, nahm er von den roten Machthabern schließlich Aufträge an, und meißelte in Stein und ziselierte in Bronze. Er meißelte auch lebensgroße Standbilder, die Vertreter der Arbeitsklasse darstellen, mähende Bauern, tanzende Bergbauern und Kinder, die freudig zur Schule eilten.

Anders aber verhielt sich in Düsseldorf ein verstorbener Künstler und zwar der ruhmreiche Professor Joseph Beuys, der weit andere Möglichkeiten hatte, und wie es bekannt ist, über diejenigen lachte, die für kleine und wertlose Werke große Summe zahlten. Wo sind die Zeiten des Michelangelo, Rembrandts, Van Gogh, Che³moñski, Jan Matejko geblieben? Der Maler Picasso von Ruhm umgeben war Vorbild für viele andere Künstler, doch sein Einfluss verflog schnell. Die Bilder Picassos wurden von reichen Leuten gesucht, die nicht wussten, wo sie ihr Geld anlegen sollten, und kauften daher Bilder auf denen der Name Picasso stand, ohne darauf zu achten, ob dieses Werk von seiner Hand wirklich stammte, denn es gibt bis heute noch viele Nachahmungen seiner Bilder. Picasso war kein Scharlatan, aber benutzte diejenigen, die mit seinem Namen Gold zu machen versuchten.

Ein Künstler, der in kurzer Zeit ohne Erfolg Unmenge an Bildern malt, müsste im Grunde genommen sein Stil ändere. Jeder Künstler muss daran trachten, eigenen Stil zum Ausdruck zu bringen, und sein Selbstbewusstsein bewahren. Nun dann kann er damit rechnen in die Kunstgeschichte einzugehen und nicht, wie es viele tun auf erzwungenen Kunstausstellungen minderwertige Bilder darzustellen und noch dazu großen Beifall erwarten.

Der gegenwärtige Maler Jan Peter Tripp schuf ein Bild „Die Schule des Sehens“ in dem er zum Ausdruck brachte, dass jeder Mensch sich eigene Anschauung gegenüber aller Kunstwerke bewahren sollte. Zu diesem Zweck benutzte er ein Bild des Jan Vermeer aus dem XVIII Jh. auf dem ein Maler zu sehen ist, der ein lesendes Mädchen auf der Leinwand festhält. Im Hintergrund des Bildes befindet sich eine ausgebreitete, alte Landkarte. Tripp zeigte etwas anderes, und zwar denselben Maler ohne die Landkarte im Hintergrund, das Mädchen aber nicht lesend, sondern halbnackt auf einem Sofa liegend. Auf dem Bild malte Tripp auch andere Malerin, die als Model Objekt, nicht die nackte Frau, sondern den ersten Maler malte. Auf diese Weise brachte die Malerin hervor, dass sie zum Bild Vermeers eine andere, eigene Vision hatte. Dem Drang nach eigener Vision und Weltanschauung wurde den Malern in der Zeit des „Realen-Sozialismus“ von den Machthabern eine Mauer gesetzt. Schon in den Schulen und Kunstakademien wurde ihnen eine Klappe vor die Augen geschoben. Wie konnte es dem August Dyrda in dieser Zeit ergangen sein?

Der ruhmreiche Maler Marc Chagall der in seinem Schaffen immer seine eigenen, neuzeitlichen Methoden bewahrte, hatte in Paris eigenes Atelier in welchem er oft mit sich selbst „kämpfte“. Er behielt immer seinen eigenen Stil, weil entfernt von seinem Russland, wo er seine Kindheit verbrachte, und davon Russland-Bildermotive, schon so gut wie vergessen hatte.

Der gegenwärtige dem Dyrda, bekannte Maler Pawel Steller, der in Oberschlesien geboren war, und niemals seine Heimat verlassen hatte, hat sich im Laufe der Zeit zu einem „schlesischem Dürrer“ entwickelt. Seine Graphiken stellen hauptsächlich schlesische Landschaften und Porträtierungen aus den 30 bis 60-er Jahren des XX Jh. dar. Seine Werke sind unzertrennlich mit seiner oberschlesischen Heimaterde verbunden, doch mit Bedauern muss hier gesagt werden, dass sein unvergleichliches Talent von seinen Heimatgenossen nicht so berücksichtig wird, wie er es verdient hätte.

In Schlesien leben und arbeiten heute viele Künstler und Kulturträger, die aus Zentralpolen eingewandert sind, in ihrem Schaffen die Kultur und Tradition ihrer neuen Heimat, genannt als „kleines Vatreland“ nicht berücksichtigen. Sie sind nur auf das schnelle Geld aus, und können dabei ihren Weg nicht finden, so wie es einst dem Marc Chagall ergangen ist, der seiner Heimaterde entrissen, mit sich selber nie ins Reine kam. Das ist eine traurige Wahrheit und das Schicksal vieler Künstler in allen Zeiten.

Mit dem Eintritt Polens in die EU werden in Schlesien viele Gäste erscheinen. Beim verlassen dieser Region werden sie darauf badacht, einige Andenken und Souvenirs aus Schlesien mitzunehmen. Sie werden keine Picasso Bilder suchen, sondern etwas eigenartiges und typisches für Schlesien. So machen es alle Völkerschaften wie die Spanier auf Costa Brava oder Mallorca, die Italiener bei Lago Maggiore und Rom oder Franzosen an der „Cote a´ Azur“ Küste, oder New York bei sich – alle verkaufen ihre eigenen mehr oder weniger wertvollen Gegenstände, um ihre Heimaterde zu verherrlichen.

Der regionale Patriotismus müsste eigentlich von Künstler aller Art gepflegt werden, so wie es einst Paul Steller getan hatte, oder Ireneusz Botor, Zygmunt Brachmañski mit ihren Werken es heute tun.

Dyrda noch voller Schaffenskraft ist auf sich selber angewiesen und kann auf keine Hilfe der Stadtväter von Tichau rechnen. Ihre Eltern stammen zum größten Teil aus Zentralpolen und haben daher kein Verständnis für Geschichte, Kultur und Tradition ihres neuen, oberschlesischen „kleinen Vaterlands“ mit ihren Gedanken sind sie immer noch mit ihrer alten polnischen Heimat, (die irgendwo im Osten Polens lag) verbunden, was man ihnen nicht verdenken kann, - denn Recht dazu haben sie! Sie wissen wohl nicht, dass vor über 200 Jahren auf Plesser Heimat der große Bildhauer August Kiss (1802 - 1865) zur Welt kam, der mit seinen Werken ganz Deutschland und vor allem Berlin, schmückte.

Die Tradition des August Kiss pflegt Dyrda, der aber beim Stadtrat von Tichau auf kein Verständnis stößt. Ich habe persönlich mich mehrmals im Namen des August Dyrda an die Stadt Tichau mit der Bitte gewandt, diesem Künstler Aufträge zu erteilen, die zur Verschönerung der Stadt dienen könnten. Derartige Künstler wie Kiss und Dyrda sind rar gesät und kommen nur ein Mal in 200 Jahren zur Welt. Die beiden bekannten oberschlesischen Bildhauer, obwohl sie eine Schaffenszeit von 125 Jahren trennt, verbindet etwas gemeinsames, und zwar der griechische Klassizismus. Der im Sozialismus aufgewachsene, und bei Professor Xawery Dunikowski lernende, Dyrda liebte es, Werke von größrem Ausmaß herzustellen, wobei die Feinheit, Geborgenheit mit Ruhe und Harmonie nicht allzu sehr berücksichtigt wurde.

August Kiss aber, der die Kunst bei Professor Christian Daniel Rauch erlernt hatte, legte mehr Wert auf den Neoklassizismus. Auf diese Weise entstand im Jahre 1839 die „Amazone auf dem Pferd“, die August Kiss viel Ruhm einbrachte. Dieses Werk ist heute vor dem Berliner Altes Museum zu sehen und bis heute nichts an seinem Glanz verloren. Dieses Denkmal mit seiner synthetischen Feinheit, den Ausdruck der Furcht im Gesicht der Amazone, macht auf alle Besucher großen Eindruck.

Auf Wunsch der Bundesheimatgruppe - Plesser Land e.V. hat Dyrda eine Medaille „Mater Silesia“ mit der „Amazone auf dem Pferd“ nach August Kiss geschaffen, das Wahrzeichen von unserem Plessia-Verein.

August Dyrda lebt in Tichau voller Hoffnung und Zuversicht in seiner Bildhauerwerkstat inmitten großer Zahl von Stein- und Bronzebildern, Modellen, Plänen, und verschiedener Art von Werkzeugen.

Am Anfang des Jahres 2001 erhielt Dyrda von der Stadtverwaltung Königshütte (Chorzów) den Auftrag (nach dem Entwurf des großen Künstlers Theodor Kalide aus dem Jahr 1852), ein neues Bronzestandbild des Grafen Friedrich Wilhelm von Reden, den eigentlich Schöpfer der Königshütte, die 1802 in Betrieb gesetzt wurde. Von dieser Hütte nahm die Stadt auch ihren Namen.

Dyrda nahm den Auftrag an, und mit einem Eifer, dem man einen 75-jährigen nie zugetraut hätte, machte sich Dyrda ans Werk. Er hatte nur eine Photographie, des alten Denkmals von Theodor Kalide aus dem Jahre 1852, und nur mit diesem Bild, das der unteren Perspektive bewaffnet, stellte er im Laufe von ein und halb Jahren, das mit dem Sockel 7 Meter Hoch Standbild erneuend wieder her. Wie viel Herz und Arbeit in dieses Werk gelegt wurde, auf welche Weise er all die „Lieder, die in allen Dingen schlafen“, wie Joseph von Eichendorff in einem seinen Gedichte hervorhob, erneut aus diesem Werk zum Vorschein brachte, wird wohl kaum zu ermessen sein.

Nach Vollendung dieses Reden-Denkmals wurde es am 6. September 2002 in der Stadtmitte von Chorzów feierlich enthüllt, und stellt eine Zierde der Stadt dar. Nun kann hier die Bemerkung gemacht werden, dass der Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV vier mal in der Stadt verweilte.

Zwei mal in seiner Eigenschaft als Kronprinz, wobei er diese Gelegenheit wahrnahm, seine Glaubensgenossen d.h. die reformierten Evangelisten in Pleß und Lendzin zu besuchen. Als König, förderte er die oberschlesische Industrie, nahm regen Anteil an allen kulturellen Veranstaltungen der Stadt und machte sich als Kunstliebhaber und Förderer einen Namen.

Am 6.9.2002 in Chorzów, in Oberschlesien hatten wir, und besonders August Dyrda, die gute Gelegenheit sich mit der Familie von Reden zusammenzutreffen.

Mit der Herstellung des Reden-Denkmals schloss sich Dyrda in der Reihe von solch berühmten Bildhauer, wie August Kiss, Theodor Kalide, J.G. Schadow, Ch.D. Rauch, und Ch.F. Tieck ein.

Alle Mitbürger der Stadt können mit Stolz auf August Dyrda blicken. Sein ganzes Leben widmet er seiner Heimatstadt und ihrem Aufschwung, teilt Freud und Leid mit seinen Mitbürgern und ist jeder Zeit zu aller Hilfe bereit.

Dyrda trachtet nicht nach Ruhm. Dieser bekannte Künstler lebt mit seiner Ehefrau, Mira bescheiden in seinem Eigenheim in Tichau-Paprotzan. Wie bisher hatte er noch keine Ausstellung seiner Werke, und wie ein typischer Oberschlesier ist er seiner Arbeit ergebe. Er hat keinen eigenen Katalog seiner bisher hergestellten Werke, macht keine Reklame um seine Person. Sogar seine Frau einst die einzige Fotografien dieser Stadt kam es noch nicht in den Sinne, ihren Mann und seine künstlerischen Werke auf Fotos zu verewigen. Nur in meinem Buch unter dem Titel „Schlesische Reminiszenzen“ im Kapitel 12 befindet sich ein Artikel: „August Dyrda – Erbe des August Kiss“ in welchem der große Künstler nach seinen Verdiensten gewürdigt wird.

Aus Anlass seines 70 Geburtstags im Jahre 1996 erhielt August Dyrda vom polnischen Ministerium für Kunst und Kultur in Warschau eine Ehrenurkunde, die seine Verdienste auf dem Gebiet der Bildhauerei würdigte. Dem Stadtrat von Tichau kam so ein ähnlicher Gedanken nicht, obwohl seine fünf Denkmäler der Stadt schmücken. Sein 70 Geburtstag verlief in der Stadt ohne großes Aufsehen zu erregen. Die hiesigen Lokalzeitungen wie das „Echo“, „Tichauer Wochenblatt“ und „Tageszeitung – Tyski“ veröffentlichen das Lebenswerk des Künstlers und machten die öffentliche Meinung auf ihn aufmerksam. Jedoch der Stadtrat von Tichau nahm davon keine Notiz. Auf diese Weise sind in der Vergangenheit viele oberschlesische Künstler und Kulturträger auf allen Gebieten in Vergessenheit geraten. Die kommunistischen Machthaber sahen nur die schwere Arbeit des Bergmanns und Hüttenarbeiters und würdigten sie, jedoch für Kunst und Kultur brachten sie nur wenig Interesse auf. Es hat sich, wie es das Beispiel des August Dyrda beweist, bis heute nichts geändert. Es ist nicht zu bestreiten, dass der Künstler von den maßgebenden Behörden so gut wie nicht beachtet wird.

Der Grund dafür mag wohl sein, dass August Dyrda, trotz seiner polnischen Staatsangehörigkeit, seine deutsche Herkunft nicht verschweigt. Er hebt oft mit Stolz hervor, dass es von 1943 bis 1945 Soldat der Wehrmacht gewesen war, was ihm viele nicht verzeihen können. Auch der Partnerbruder NRW mit dem Oberschlesien spricht nur mit den Polen, nicht mit den gebliebenden Deutschen!

Dr. Emil Schramek, einst Pfarrer in der Maria Magdalena Kirche zu Alt Tichau wurde 1942 im KZ Lager Dachau von faschistischen Schergen umgebracht. In seinen Predigen hob jener edle Gottesmann, der selbst Oberschlesier war, die komplizierte Lage seiner Heimaterde hervor, die zwischen Deutschland, Polen und der Tschechei gelegen eine Vielfalt der Kultur Traditionen aufweist, die ein Zankapfel der Bevölkerung war und immer noch ist.

August Dyrda, ein Sohn dieser Erde hat in seinem langen Leben in dieser Hinsicht oft schlechte Erfahrungen gesammelt, die auf seinen Charakter nicht ohne Einfluss geblieben sind.

Wir beide in der Plesser Heimat zitieren jetzt, als große Anhänger der Eichendorff Poesie - ob nur das uns geblieben ist, suchen wir nach einem richtigen „Zauberwort“?

Zauberwort” –„Wünschelrute” - „Magiczne s³owo”:

Schläft ein Lied in allen Dingen,
die da träumen fort und fort,
und die Welt hebt an zu singen,
triffst du nur das Zauberwort.

Joseph von Eichendorff

W rzeczach wszystkich pie¶ñ u¶piona,
które marz± wci±¿ od nowa,
¶wiat siê zerwie, j± wykona,
je¶li trafisz magi± s³owa.

P.K.Sczepanek.

Es versteht sich von selbst, dass mit dem Eintritt Schlesiens mit Polen in die EU, ihre Künstler auf allen Gebieten vor neuen Aufgaben, entsprechend der Zeit stehen werden.

So ist es auch mit August Dyrda bestellt der mit Willen und Tatenkraft vor keinen neuen Aufgaben zurückschreckt. Das beweisen seine Werke, die in oberschlesischen Orten zu sehen sind, und Zeugnis von ihrem Hersteller ablegen.

Und last but not least, August Dyrda hat mit seinem neuen Redendenkmal nach dem Entwurf von Theodor Kalide erneut Ruhm geerntet und wird ihn Jahrhunderte lang verewigen. Er hat das eigentliche Recht auf das, über drei Meter hohe Gipsmodell, der Statue und kann davon Miniaturen anfertigen. Ob heute schon jemand daran gedacht hat, dass in einer Zeit, in welcher sich der Welt-Globalismus mit Siebenmeilenstiefeln nähert, dass die Arbeit einzelner großer Leute mit dem Aufschwung ganzer Region verbunden ist. Ob die Machthaber aller Art wissen welch eine Rolle sie in einem neuen Europa zu spielen haben? Um die neue Rolle müssen auch Künstler bedacht sein, unter ihnen auch die sogenannten „billigen“, wenn sie sich in einem neuen Europa behaupten wollen. Sollen die Steinskulpturen, die auf dem Rasen vieler oberschlesischer Parken von Dyrdas Hand zu sehen, die Schönheit und Harmonie verbreiten und das Bronzestandbild des Grafen von Reden in Chorzów, nach zwei Abstürzen von polnischen Nationalisten, heute Frieden über ein arbeitsames Volk bringen? Wie viele andere oberschlesische Künstler wie Kiss, Kalide, Steller, Schramek im Namen des Glaubens mit ihrer Heimat verbunden waren, so schafft heute August Dyrda auf der Grundlage oberschlesischer Geschichte, Kultur und Traditionen. Hier liegt seine Kraft mit der er sich trotz vielerlei Hindernisse bereits einen Namen gemacht hat, der unsterblich in das Verzeichnis oberschlesischer Kulturträger eingehen wird.

Im Mai des Jahres 2002 erhielt August Dyrda aus Anlass des 200. Geburtstagstages seines großen Vorgängers des Bildhauers August Kiss von Bundesheimatgruppe Plesser Land e.V. eine besondere Auszeichnung und zwar von der Hand der Kulturreferenten BHG Plesser Land, Peter K. Sczepanek -„für Verdiensten um das Plesser Land“. Diese Medaille hat nach unsere gemeinsamen Entwurf auch Dyrda gemacht, und er selbst hat sie modelliert und gegossen.

Auch, während der Enthüllungsfeierlichkeit des Redendenkmals am 6. September 2002 erhielt August Dyrda aus der Hand des Stadtpräsidenten von Chorzów für seine Verdienste eine „Friedrich Wilhelm Graf von Reden“ - Gedenkmedaille.

PS
Nur im Internet www.slonsk.com kann man die Werke von August Dyrda bewundern! Auch sein berühmtestes Reden-Denkmal unter dem Titel: Friedrich Wilhelm Graf von Reden”.

Die Werke von Dyrda (29 Fotos) sind zu sehen in: „Wybrane dzie³a rze¼biarza Augusta Dyrdy”.

Peter Karl Sczepanek
Kulturreferent - Bundesheimatgruppe - Plesser Land e.V.

Eine Übersetzung aus www.slonsk.com des Artikels “Odkrycie Augusta Dyrdy dla przysz³ej Europy“ von Peter K. Sczepanek

Peter Karl Sczepanek 
Eisenstädter Str. 6, 40789 Monheim am Rhein

Monheim/Rh, den 20.3.2003

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