Sehr geehrter Herr Peter Szczepanek,
es gibt Zeiten in denen sich zwei Menschen, die gleiche Schicksale erleiden, nie begegnen. Und dann binnen paar Tagen geschieht es paar
mal. Mit Hilfe von Internet ist es heute möglich. So geschah es auch mit uns.
Ihren Vorschlag www.Slonsk.com zu besuchen, bin ich
gerne gefolgt. Prompt auch kommt mir Ihre Volkstrauertag-Reflexion entgegen. Die Hl. Kreuz Kirche in Miechowitz ist meine Heimatkirche, die
ich zuerst mit meiner Mutter, dann als Ministrant ständig besuchte. Ich kenne jede Figur, jede Treppe und fast die ganze Geschichte dieser
Kirche.
Sieben Jahre lang ging ich entlang der Massengräber auf anderer Seite des Friedhofs zur Schule. Sieben Jahre lang hat
kein Lehrer und gar kein Geschichtslehrer (der wusste nur Wolgalied auswendig) uns Kinder gesagt, was die Gräber da vorne bedeuten. Eines
Tages kurz vor Aller Heiligen hat uns der Schuldirektor aufgefordert, dort Wache vor Gräbern russischer Soldaten zu schieben. Keiner aber
von uns schlesischen Jungen ist der Forderung nachgegangen. Auf die Frage des Direktors, was das alles sollte, hat ihn mein mutige
Schulfreund geantwortet: er werde keine Wache am Grabe von Mördern seines Großvaters schieben. Der Direktor (Hadziaj) ist sofort aus der
Klasse weggerannt.
Den Geschichteunterricht habe ich von meiner Mutter, einer einfachen Frau, erteilt bekommen. Sie hat mir viel über die
Geschichte des Ortes erzählt, darunter auch über die schwierige Nachkriegszeit, aber auch schon viel über die unsinnige Zeit der
Nationalsozialisten, genau soviel, wie viel auch ein kleines Kind kapieren konnte.
Heute wenn ich meine Heimat besuche (letztes mal im Oktober) ärgere mich und bin ich traurig, weil die Kirche wieder
geschlossen wurde. Ich brauche aber nicht unbedingt immer vor dem Altar zu stehen und die Kerze am Alle Heiligen in Miechowitz anzuzünden.
Ich habe die Kalidische Madonna ständig vor meinen Augen und die Kerze die in mir meine Mutter angezündet hat, brennt für die
geschundenen unserer Heimat für alle Zeiten. Ich weiß, auch dass, meine Schulfreunde in der alten und auch neuer Heimat aus dem gleichen
Holz geschnitzt sind wie auch ich es bin, also auch sie denken in der stillen Stunde wie ich. Na ja, die Polen der jüngeren Generation
wissen heute genug über Katyn. Es wird aber Zeit kommen, da werden sie auch erfahren, was im Januar 1945 geschehen ist, auch wenn das
manchen in die Köpfe nicht passen wird.
Also, Herr Szczepanek bitte denken Sie nicht, dass die Menschen in Schlesien alles vergessen haben. Ich weiß schon, Sie
wollen reizen, nachdenklich stimmen, alles legitim. Dennoch versuchen sie zu differenzieren. Schildern Sie, dass anderen ähnlich wie Ihnen
beim betreten einer heimatlichen Kirche geht.
Glück auf
Josef Hoika