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Die gegenwärtige Lage Oberschlesiens am Ende 2002


Die gegenwärtige Lage Oberschlesiens am Ende 2002

Unsere Landsleute in Oberschlesien, gewöhnt an harte Arbeit und vielerlei Entbehrungen haben schon zum größten Teil ihre alte Kultur, Überlieferrungen und Traditionen fast vergessen.

Der beste Beweis dafür ist die Apathie und Interesselosigkeit an politischen Vorgängen, wie es die polnischen Kommunalwahlen vom 23 Oktober 2002 allerorts bewiesen haben. Daher ist es nicht zu verwunderlich, dass die Anteilnahme der oberschlesischen Wahlberechtigten kaum 40% betragen hatte. Die Anteilnahme an den Wahlvorbereitungen war auch geringer als gering. Dem Wahlkampf zu den Kommunalämtern den die Kandidaten 5 polnischer Parteien unter sich ausgetragen hatten, sahen die Oberschlesier missmutig und interesselos zu. Fast alle hatten in ihren Augen die Glaubwürdigkeit verloren. Jeder Kandidat zum Posten eines Bürgermeisters oder Stadtpräsidenten versuchte mit allen Mitteln die er zu Verfügung hatte, und jene waren recht erbärmlich, die Wähler für sich zu gewinnen doch der Erfolg genügte seinen Erwartungen nicht. Wie es in einem demokratischem Stadt üblich ist, bedienten sich die Kandidaten vielerlei Methoden die nicht immer menschenwürdig waren, um ihre Gegenkandidaten in den Augen der Wähler zu erniedrigen. Wie es aus meinen Beobachtungen hervorgeht, denn ich verweilte in jener Zeit in meiner Heimatstadt Tichau O/S war das Fernsehen und die allgemeine Presse an den Wahlvorbereitungen auch nicht so beteiligt wie es unter solchen Umständen im Westen der Fall ist. Zeitungen und Zeitschriften förderten natürlich Kandidaten, die in ihrer Gunst standen oder über größere Geldmittel verfügten.

Ihre Reporter trachteten danach Fehler, menschliche Schwächen oder gar Rechtsbrüche falls derartige hervortraten ans Tageslicht zu zerren, um die Kandidaten in den Augen der Wähler unglaubwürdig zu machen. Nach der Meinung jener Reporter war das größte „Verbrechen“ des Kandidaten seine kommunistische Vergangenheit, wobei sie in vielen Fällen ihr Ziel aber nicht erreichten, wie es in einer so großen Stadt wie Zabrze (Hindenburg O/S) vor sich ging. In dieser Stadt wurde der ehemalige kommunistische Erste Parteisekretär von Zabrze zum Stadtpräsidenten gewählt. Im allgemeinen nahmen die Kommunalämter jene Kandidaten ein, die schon über eine langjährige Praxis in der Landesverwaltung verfügten, und mehr oder weniger in der Bevölkerung bekannt waren. Die Wahllisten waren von ungeheurem Ausmaß. Hunderte von Namen standen auf der Wahlliste in den Stadtrat, so dass der Wähler völlig ratlos mit solch einer Liste dastand. Nach alter Art und Weise die noch aus kommunistischer Zeit stammt, hatten jene Kandidaten, die an der Spitze der Liste standen, die größten Aussichten gewählt zu werden. Kein Wunder, dass jeder Kandidat danach trachtete die erste Stelle einzunehmen, und in dieser Hinsicht wurden viele Kämpfte zwischen ihnen ausgetragen. Fast alle Kandidaten standen im gerechtfertigten Verdacht ihren Posten in Verwaltungsämtern für ihren Nutzen einzunehmen ohne Rücksicht auf den Gemeinnutz. Manche Zeitungen bedienten sich mit lateinischen Redensarten, um die ihnen nicht gewünschten Kandidaten mit Schmutz zu bewerfen. Ohne Umschweife wurde geschrieben: „Die Neugewählten fangen von einem Nullpunkt an, und lernen einen eigenartigen Zynismus“. Nach den Wahlen auf deren Ergebnisse man eine Woche warten musste, denn das Computersystem schwankte, wurden Stimmen laut, welche die Wahl wegen unscheinbaren Vorkommnisse für ungültig erklärten.

Über ungeheure Geldsummen, die die verschiedenen Parteien für die Wahlvorbereitung ihrer Kandidaten ausgeben, waren die unglaublichsten Gerüchte im Umlauf. Viel Unmut verursachten sie bei Arbeitslosen, die schon keinen Ausspruch mehr aufs Stempelgeld haben und anderen Hilfsbedürftigen.

Die allgemeine Presse spielte in der Zeit mit offenen Karten. Die Monatsgehälter von Stadträten, Bürgermeistern und Stadtpräsidenten wurden öffentlich bekannt gegeben, und erregte Missmut, und Unbehagen im Volke, denn jene Gehälter betrugen oft das 6-fache des Monatsverdienstes eines Arbeiters. Es ist kein Geheimnis für das Volk, dass der größte Teil aller Beamten in der Kommunal-verwaltung nur auf ihren Vorteil bedacht sind. Idealisten gibt es hier keine. Die größten Aussichten gewählt zu werden, haben die über ein großes Mundwerk verfügen, und dem Wähler die unmöglichsten Versprochen machen, die nachher nicht eingehalten werden. Eine Reihe von kleineren Parteien und Gesellschaftsverbände, die im öffentlichen leben keine wesentliche Rolle spielten, versuchten im Anhang zu den Hauptparteien, ihre Kandidaten auf die Wahlliste zu bringen, was zu großem Ärger, Meinungsverschiedenheiten, und hie und da zu Handgreiflichkeiten führte.

So war es auch in der Türkei, wo in der selben Zeit eine bisher unbekannte islamische Partei die Macht im Lande ergriffen hatte, und das Dank ungenügender Beteiligung der Wähler.

Es gab eine ansehnliche Reihe von Kandidaten vorzugsweise in den Großstädten des Landes, die glaubten nur durch erbarmungslose Kritik der gegenwärtigen Kommunalpolitik ihr Ziel erreichen zu können. Viele Nichtwürdige ohne Scharm traten auf die Wahlliste und blockierten auf diese Weise die, die mehr dazu berufen sich düngten. Doch wer ist mehr dazu berufen, wenn jeder von sich denkt, dass er der beste sei. Derartige Situationen gibt es nur nicht in Polen. In den Nachbarnländern sind solche Vorkommnisse auch an der Tagesordnung. Auch hier wird jedes Mittel nur um zum Ziel zu gelangen, als gerecht erklärt. Polen steht kurz vor dem Eintritt in die EU. Es ist kein Geheimnis, dass das polnische Volk dazu nicht vorbereitet ist. Auch Globalisierungsaktionen sind keine Seltenheit. Die Zahl der Arbeitslosen in Oberschlesien beträgt mit dem heutigen Tag 320.000 Personen, was 17,5% aller Arbeitsfähigen ausmacht – eine noch nie in der Geschichte dieser Provinz da gewesene Sachlage. Drei mal mehr Menschen, die ihren Job noch haben, fürchten um ihren Arbeitsplatz. Kurz nach den Kommunalwahlen, am 18 November 2002 demonstrierten über 10.000 Bergbauarbeiter ihre Furcht und Unwillen vor dem Wojewodschaftsgebäude in Kattowitz. Die polnische Regierung gab bekannt, dass bis zum Jahr 2005 sieben Kohlengruben in Oberschlesien stillgelegt werden, was eine Entlassung von 35.000 Bergarbeiten zu Folge sein wird. Die Gewerkschaften protestieren zwar laut und deutlich, aber Befürchtung, dass sie nur leeres Stroh dreschen, ist weiterhin vorhanden. Es gibt zwar Pläne, die versprochen sollen, den Entlassenen neue Arbeitsplätze zu verschaffen, aber unter den gegenwärtigen Umständen, wird ihren kein Glauben geschenkt.

Die berüchtigte „polnische Wirtschaft“ drängt heute prächtigsten Blüten, die nur Unglück ins Land bringen. Im 17. und 18. Jahrhundert war diese Wirtschaft unter dem Begriff der „Goldenen Freiheit“ bekannt, was zu den Teilungen Polens führte.

Kazimierz Kutz, Filmregisseur und einer der bekanntesten Oberschlesier unserer Zeit, schrieb in einer Tageszeitung, dass „die Ämter erst den Beamten dienen, und nachher dem Volk. Hohe Beamte sind im Rahmen ihrer Parteipflichten eingepfercht und hinter dem Schild der Demokratie üben sie Willkür aus“.

Nach dem Kommunalwahlen in vielen Städten Schlesiens haben sich Verwaltungen gebildet, Koalitionen, in denen die SLD, also die Roten, die Oberhand behalten.

Joseph Freiherr von Eichendorff scheint derartige Beziehungen vorausgesehen zu haben, denn er schrieb vor 150 Jahren:

Da geh´n die einen müde fort,
Die anderen nahn behende,
Das alte Stück, man spielts so fort
Und kriegt es nie zu Ende.

Und keiner kennt den letzten Akt
Von allen, die da spielen,
Nur der da droben schlägt den Takt,
Weiß, wo das hin will zielen.
Joseph von Eichendorff

Jedni zmêczeni odchodz±,
Inni zbli¿aj± siê wnet,
Tak stara sztuka krêci siê,
I nie widaæ jej koñca.

Ostatku gry tu nie zna nikt ,
Z aktorów wraz graj±cych,
Tylko Ten co takt wybija,
Przenika sens komedii.
(Übersetzt: R. Schumann)

Viele Oberschlesier nehmen mit Verwunderung wahr, dass die Tschechen aus Karvin, wo ihre Kohlengruben auf Hochtour fördern, oberschlesische Bergarbeiter herabziehen und sie mit Autobussen täglich zur Arbeitsstelle und nach der Schicht nach Hause fahren, während in Oberschlesien Gruben stillgelegt werden.

Beschäftigten in Hüttenwerken und Kohlengruben wird oft der Monatslohn mit Verspätung ausgezahlt. Am Lohntag erhalten sie 100 zloty, was ungefähr 10% ihrer Monatslöhne ausmacht und vertröstet sie auf den nächsten Monat. Daher ist es nicht zu verwundern, dass ihre Produkte nicht konkurrenzfähig sind, und auf dem Weltmarkt fast keinen Absatz finden.

Der Wojewode von Kattowitz hat in letzter Zeit ein, aus 100 Vertretern Oberschlesiens, bestehendes Wojewodschaftsparlament ins Leben gerufen, dessen Aufgabe es ist die Volkswirtschaft in dieser Provinz zu fördern. In einem Interview sagte der Wojewode, dass die schlausten und begabtesten Menschen in der Wojewodschaft sind zu denen er volles Vertrauen habe. Ihre Namen wurden sogar veröffentlicht. Nun brachte ich danach in Kenntnis zu bringen, wie viele von ihnen einheimische Oberschlesier sind, und wie viele eingewanderte Polen? Im Volksmund wird aber über die „Hundertschaft“ gespottet, denn die Dummen wie behauptet wird, werden nicht alle. Außerdem wird befürchtet, dass die Hundert eine bevorzugte Kaste in Oberschlesien bilden könnten.

Das polnische Finanzministerium auf der Suche nach neuen Einnahmen hat die Ersparnisse die Millionen von Polen auf den Bankhaben, mit Steuern belegt, und behauptet dabei nur ein Beispiel von den Deutschen zu nehmen „denn sie haben es schon längst getan“. Das stimmt zwar aber in Deutschland wird die Sparsumme erst von einer bestimmten Höhe versteuert, wobei der Kleinsparer verschont bleibt.

Gerechtfertigte Befürchten hegen die Polen zur Privatisierung ihrer Volkswirtschaft, die mit alle möglichen und unmöglichen Mitten betrieben wird, wobei auch viel Schindluder gerieben wird. Je mehr die polnische Volkswirtschaft wird, desto höher steigt die Zahl der Arbeitslosen. Es wird offen davon geredet, dass Polen 45 Jahre von der Sowjet-Union ausgebeutet wurde, und nun steht ein neuer Ausbeuter von der Tür und zwar EU mit dem Sitz in Brüssel. Viele hohe Beamte befürchten auch, dass sie mit dem Eintritt Polens in die EU ihrer Ämter verlustig gehen können.

Die Krankenkassen der Wojewodschaft Oppeln stecken heute in einer schweren Finanzkrise. Den Ärzten wird die Zahl der behandelten Patienten begrenzt. In Kedzierzyn, ehemalig Heydelbreck können wöchentlich nur 10 Patienten angenommen werden, und die Wartezeit zu einem Spezialisten beträgt 6 Monate. Der Schlesischen (Kattowitzer) Krankenkasse, die nach der Ansicht der Regierung zu viel Geld haben, werden die Gelder abgenommen und in die Region nach Zentralpolen geschickt. In den Zentralverwaltungen der Krankenkassen werden immer wieder neue Posten geschaffen, die völlig nicht notwendig sind, was auf Kosten der Krankenkassen im ganzen Lande geschieht. Man sucht heute fieberhaft nach neuen Verwaltungsmethoden, wobei man immer mehr auf die alten Zeiten der kommunistischen Herrschaft zurückkommt.

In Grunde genommen sind auch in Deutschland große Unternehmen bis zu 70 Milliarden Euro verschuldet, während Polen seine Schulden in Höhe von 20 mrd Euro seit 25 Jahren dem Westen nicht abzahlen kann. Wie kann um Himmels Willen regiert werden, wenn die rot-grüne Regierung auch fieberhaft nach Einnahmequellen sucht, und alles besteuert „was sich nur rührt“.

Die gegen die Eintritt Polens in die EU sind, fragen sich, wie das alles enden soll, wenn alle Länder Europas Mitglieder der EU werden. Sie befürchten ein unheimliches Ende Europas. In der Geschichte Polens gab es eine beträchtliche Reihe von Unionen, die alle ein klägliches Ende nahmen. Jene Besserwisser ziehen aus der Geschichte Polens Schlussfolgerungen, die heute mit der Gegenwart in keinen Einklang stehen. Nach Ansicht vieler Polen ist nicht Deutschland der größte Feind ihres Landes, sondern Russland, und die Ukraine. Nun wird befürchtet, dass auch die Länder in die EU früher oder später eintreten können, wobei die Bedeutung Polens auf einen Nullpunkt fallen kann. Das heutige Polen hat zur Rettung seiner Existenz keine andere Wahl als den Eintritt in die EU, und das um jeden Preis. Immer war es in der Geschichte der Welt so, dass Kleinere und Schwächere Anhang zu den Mächtigern suchten, um überleben zu können. So war auch mit schlesischen Herzogtümern im 14. Jahrhundert, die den Anschluss an die mächtigen deutschen Ländern suchten und nicht an Polen, welches schon damals viel mit sich zutun hatte. Der Eintritt Polens in die EU ist aber nicht ohne Kosten verbunden. Hier wird nichts geschenkt. Das Geld welches Polen schon mit Ungeduld erwartet, um das Land auf Beine zu verhelfen, muss früher oder später zurückerstattet werden. Damit kann wieder anderen schwachen Ländern Europas geholfen werden. Viele Polen, die sich als außerordentliche Patrioten bezeichnen und vor allen Dingen aus der polnischen Bauernpartei stammen, befürchten, dass Ausländer, voran die Deutschen die polnische Erde in Schlesien und Pommern aufkaufen können, und auf diese Weise könnten Polen seine Unabhängigkeit verlieren. Es steht aber nichts im Wege, dass polnische Bauern spanische Erde aufkaufen können, wobei die Spanier den Verlust ihrer Unabhängigkeit nicht befürchten.

Beim Eintritts Polen in die EU müssen im polnischen Finanzsystem, und in vielen anderen Systemen einige Reformen durchführt werden. Der „Euro“ darf nicht sogleich eingeführt werden! Bei den in Gegensatz zum Westen weit niedrigeren Verdiensten in Polen, könnte der „Euro“ manches Unheil anrichten.

Jedoch in dem ganzen polnischem Durcheinander gibt es einige Lichtblicke, die der Sport mit sich bringt, wobei neben „Ma³ysz“, Fußball an erster Stelle ist. Einer der bekannteste damals Fußball-Verein in Oberschlesien war die „Podlesianka“ – damals Podlesie, heute Katowice-Podlesie, die keinen anderen Club in ihrer Klasse fürchtet, und von Sieg zu Sieg eilt. Im November 2002 gewann die Podlesianka gegen GKS II Kattowitz 3:1, genau so auch gegen Górnik Myslowitz 09, und gegen Rozbark Beuthen 4:0. Dieser Verein ist mir seit meiner Jugendzeit an das Herz gewachsen, und es gab damals kein Spiel, ganz gleichgültig in welchem Ort an dem ich nicht anwesend gewesen wäre. Sehr oft fuhr ich mit dem Fahrrad zum Spiel durch Tichauer und Plesser Wälder, die manch ein Geheimnis in sich bergen. Ich freue mich, wenn ich durch solche Städte, die mir alte Heimat bedeuten, wie Nicolai, Alt Berun, Sohrau, Rybnik, Pless oder Teschen. Besonders der Mittelpunkt jener Städte, der Ring, ruft viele Erinnerungen in mir wach.

Heute werden in vielen Städte viel sportliche und kulturelle Veranstaltungen organisiert, die alte oberschlesische Kultur, Überlieferungen und Tradition wachrufen, und mit alter Herrschaft der Habsburger und Hohenzollern auf dieser Erde verbunden sind. Wie „Gefunden“ – sind wir jetzt, und waren wir schon in diesem Europa! Das erregt den Unmut mancher polnischer „Patrioten“, die mit ihrem Nationalismus die Veranstaltungen torpedieren, und leider mit Erfolg. Sie versuchen mit allen Mitteln in die Wappenschilder der Städte den „gelben Adler“ hineinzubringen, der nie dort im Wappen gewesen war, was natürlich auf stillen Widerstand der einheimischen Bevölkerung stößt. Betrachten Sie zum Beispiel das Wappenschild von Breslau, das auch jahrelange Tradition aufweist, ein Dorn im Auge vieler Polen. Gott sei Dank, die Breslauer Geschichts-Professoren haben das vorgeschlagen, was man nicht in ihren historischen Bereichen vergessen soll!

Im Juni vorigen Jahres wurde in Pless die Gedenktafel des, dort vor 100 Jahren geborenen berühmten Architekten, Julius C. Raschdorf enthüllt. Jedes Jahr werden in dieser Stadt auch Konzerte des berühmten Lausitzer Komponisten Georg Ph. Telemann veranstaltet, bei welchen Musiker und auch Zuhörer aus der Bundesrepublik nicht fehlen. Die große Perle dieser Stadt Pless ist außer dem Schloss auch das Fürstenliche Gymnasium, welches vor 235 Jahren gegründet wurde, und nicht von Habsburgen, sondern von einem Hohenzollern, Friedrich dem Großen. Erst mit der Einverleibung dieser Erde – Schlesien an Preußen nach dem 7-jährigen Krieg, begann der Aufstieg dieser Region in allen Bereichen des Lebens.

Besonders der Handel blühte auf. Aus dem Bielitzer Land, das weiterhin zu Österreich gehörte, kamen Händler ins oberschlesische Industriegebiet ihre Holzhandwaren zu verkaufen. Da sie zum größten aus dem Beskiden-Gebirge stammten, wurden sie einfach „Górole“ – „Gorole“ im Dialekt genannt. Diese Bezeichnung ist heute noch für alle Polen, die sich nach dem Kriege in Oberschlesien häuslich niederließen, geläufig –in dem westlichen Schlesien!

Aus dem Plesser Stadtgymnasium gingen im Laufe der Zeit viele bekanntlich Persönlichkeiten hervor. Viele Polen, Deutsche, Österreicher erhielten auch hier ihre Bildung. Ihr erstes Wissen holten sich hier der Architekt Raschdorf, sowie der berühmte oberschlesische Bildhauer, August Kiss (1802 – 1865). Von den Neuzeitlichen sind heute in aller Munde solche Namen wie: Edith Olbricht, Krystyna Szostok (Loska), „Zef“ Zymlok oder Edeltraud Sczepanek, meine Patentante, die am 30.5. 1945 in Tichau von einem polnischen Kommunisten erschossen wurde.

Wie freuen uns immer wieder über jeder Errungenschaften in dieser Region. Vor kurzer Zeit wurde eine Steinhalde in ein grünes Sportobjekt mit einer Skiabfahrt im Winter zur Freunde und Erholung der Beuthener, nicht nur der oberschlesischen Bevölkerung.

Gegenüber auch manchen polnischen Journalisten sprechen Gegner des sozialen Staates der Nachbar, über die „schlechte deutsche Wirtschaft“ um einiges Misstrauen bezüglich der Menschenwürdigkeit in der freien Wirtschaft im heutigen Deutschland zu zeigen.

Hören Sie, Du, Pole oder Schlesier von verschiedener Abstammung in Schlesien, bitte – nicht auf solche Journalisten, merkwürdige kurzsichtige polnische Bauern, „übergläubige“ polnische Christen, falsche Propheten, übertriebenen extrem politische Nationalisten, oder andere, die alles kritisieren, was neu ist. Die EU im Osten ist bei allen nur eine Frage der Zeit.

Schon die Oberschlesier in Alt Berun am Plesser Land stellten an einer Pro-Referendum Stichprobe für EU 75% mit „ja“ Entscheidung fest. Bravo Plesser, Bravo Oberschlesier, Bravo, vernünftige Europäer! Schlesien steht vor dem großen Wandel der Zeit.

PS.
Ich habe in Dezember in Monheim am Rhein einen Weihnachtsbaum, der ein Meter lang war, für 5 Euro gekauft, was 20 zloty ausmacht. Dieses Bäumchen befand sich mit seinen Wurzeln in einem Blumentopf. Den gleichen Baum habe ich im vergangenem Jahr in O/S für 60 zloty gekauft, also drei mal so teurer. Dieses Bäumchen steckte auch in einem Blumentopf, aber ohne seine Wurzeln. So teuer wird „polnische Erde verkauft“. Auf einem freien Wirtschaftsmarkt kann man alles verkaufen zu einem beliebigen Preis. Unter diesen Umständen hat es keinen Zweck ein ehrlicher Mensch zu sein, denn man wird auf jede mögliche und unmögliche Art und Weise belogen, betrogen und hintergangen. Ein Jammern ist in diesem Fall völlig nutzlos. Sucht die Wahrheit und passt euch den gegenwärtigen Bedingungen an, um am Leben zu bleiben. Wer etwas mehr darüber zu Kenntnis nehmen möchte, lese bitte meine „Schlesische Reminiszenzen“.

Peter Karl Sczepanek

12.12.2002