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KULTURTAGE

Musik Schlesiens in 19. und 20. Jh.

MCB-Herbstkonzert am 11. Oktober 2002


Musik Schlesiens in 19. und 20. Jh. war auch, wie Bayer Männerchor am 11.10.2002 in Erholungshaus in Leverkusen gesungen hat: (P.K.S.)

MCB-Herbstkonzert am 11. Oktober 2002
(Öffentliche Generalprobe: 10. Oktober 2002)

„Hereinspaziert „ - und herzlich Willkommen zu unserem Herbstkonzert.

Guten Abend meine Damen und Herren.

Der „Männerchor Bayer“ begrüßt Sie recht herzlich zu einem beschwingten Abend der leichten Klassik.

Unser Orchester, das Salon-Ensemble „Pomp-A-Dur“ wird im Laufe des Abends noch vorgestellt.

Stellvertretend für unsere zahlreichen Gäste begrüßen wir heute Abend:

Den Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayer AG, Herrn Dr. Manfred Schneider mit seiner Gattin.

Den Werksleiter, Herrn Dr. Heinz Bahnmüller und Gattin.

Neben unserem Präsident, Herrn Prof. Dr. Volker Pilz, begrüßen wir unseren Ehrenpräsidenten Herrn Dr. Ernst-August Kleinheidt und Gattin.

Und nicht zuletzt freuen wir uns, unseren Ehrendirigenten

Herrn Prof. Hermannjosef Rübben mit seiner Gattin zu begrüßen.

Herzlich willkommen.

„Hereinspaziert“,

mit diesem Walzer von Carl Michael Ziehrer aus der Operette:

„Der Schätzmeister“, “ haben wir Sie wiegend in die nächsten zwei Stunden geleitet.

Dieser Walzer wurde in der Weihnachtszeit 1904 einem begeisterten Publikum in Wien präsentiert und war beim folgenden Wiener Fasching der „Tanz-Hit“ der Saison.

Meine Damen und Herren.

Es ist kaum zu glauben, daß sich unser nächster Komponist sein Geld zunächst als Unterhaltungspianist vor Matrosen und Dockarbeitern in verschiedenen Hamburger Hafenkneipen verdiente.

Der 1833 an der Elbe geborene Musiker Johannes Brahms schaffte nach einigen Wanderjahren aber bald den Sprung in die anerkannte europäische Musikwelt.

Mit 20 Jahren machte er zunächst Zwischenstation am Rhein.

In Düsseldorf besuchte er eine der einflußreichsten Persönlichkeiten des Musiklebens - Robert Schumann.

Diese erste Begegnung sollte das Leben von Brahms nachhaltig verändern.

Schumann rühmte Ihn öffentlich als Genie ----- und Brahms verliebte sich in Schumann´s schöne Gattin Clara....

Die Zuneigung zu Clara und die Faszination der ungarischen Zigeuner-Musik haben Ihn später in Wien zu seinen „Ungarischen Tänzen“ beflügelt.

Hören Sie seine beiden bekanntesten Tänze:

Der „Ungarische Tanz Nr. 5“ - „Ungarland, du schöner Land“,

und den „Ungarischen Tanz Nr. 6“ - „Zigeuner komm und nimm die Fiedel“.

Kennen Sie „Monsieur „O“ de Cologne?

So nannte man ihn im 19. Jahrhundert in Paris.

Sein Vater hieß Isaac Juda Eberst, stammte aus Offenbach am Main und hatte sich in Köln Deutz als Musiklehrer niedergelassen.

Am 20. Juni 1819 wurde in Köln der kleine „Köbes“ der „Offenbachers“ geboren.

Im Alter von 14 Jahren wurde Jakob von seinen Eltern an die Saine geschickt.

Am Pariser Konservatorium beginnt er bei Luigi Cherubini mit seinem Musikstudium. Als Cellist in verschiedenen Orchestern begann seine steile Karriere, und von nun an nannte er sich Jaques Offenbach.

Gegen Ende seines Lebens, nachdem er bereits schwer erkrankt war,

da erfüllte er sich seinen Traum:

„Eine Oper zu schreiben“.

Und so entstand sein 102. und letztes Bühnenwerk:

„Hoffmanns Erzählungen“.

Den Triumph seiner Oper konnte Offenbach allerdings nicht mehr erleben.

Einen Tag vor seinem Tod im Oktober 1880 stellte er den Klavierauszug fertig.

Ein alter Freund, den man schnell herbeigerufen hatte, wurde von Offenbachs Hausmeister mit den Worten empfangen:

„Monsieur Offenbach ist gestorben, ohne es zu wissen. Wie wird er sich wundern, wenn er es erst merkt!“

Unser nächster Komponist war von der offenbachschen Musik sehr angetan.

„Für die Wiener war er einfach der „Schani“.

Für die Welt ist er bis heute der „Walzerkönig“ - als Musiker bewundert,

als Mensch fast unbekannt“.

Die Rede ist von Johann Strauß-Sohn.

Er wurde 1825 als ältester Sohn der Familie Strauß in Wien geboren.

Seine beiden Brüder, Josef und Eduard hatten zwar die Musikalität Ihres Vaters geerbt, aber den Erfolg ihres Bruders nie erreicht.

Johann Strauß hatte in der ganzen Welt Erfolg .

Für seine bevorstehende Konzertreise 1867 nach Paris fehlte ihm noch eine zündende Melodie um das internationale Publikum an der Saine zu begeistern.

Da entstand in den letzten Tagen des Wiener Faschings seine Schnellpolka:

„Leichtes Blut“.

Bei der Wiener Aufführung war die Begeisterung der Zuhörer riesengroß.

Das Publikum in Paris konnte sich schon mal freuen......

 

Meine Damen und Herren,

freuen Sie sich nun auf ca. 35 Herren aus unserem Chor, die sich jetzt zu unserem ”Kleinen Chor” formieren und Ihnen unter der Leitung von Harald Jüngst zunächst aus der Oper: „Hoffmanns Erzählungen“ die bekannte „Barkarole“ singen.

Und anschließend die Schnellpolka:

„Leichtes Blut“.

Danach kommt das Salon-Ensemble „Pomp-A-Dur“ zu Wort und Gehör.

Viel Vergnügen!

Die zwanziger und dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts waren in Wien von zwei Namen beherrscht: Joseph Lanner und Johann Strauß-Vater.

Dann kam der 15. Oktober 1844: Johann Strauß-Sohn wurde die Ehre zu Teil, zum ersten Male sein eigenes Orchester zu dirigieren.

Am nächsten Tag konnten die Wiener in der Zeitung lesen:

„Gute Nacht, Lanner! Guten Abend Strauß-Vater! Guten Morgen Strauß-Sohn!!!“

Von nun an war Strauß-Sohn für fast ein halbes Jahrhundert der ungekrönte König Wiens. Auf seinen Konzertreisen von St. Petersburg bis Amerika wurde er als „Walzerkönig“ umjubelt.

Nach der Aufführung seiner Operette „Das Spitzentuch der Königin“

im Oktober 1880, kam es wie es kommen mußte.

Die kostbare Musik zu dem unbrauchbaren Libretto war für die Bühne ungeeignet.

So peinlich es für Strauß war, daß sich nicht der gewünschte Erfolg einstellte,

so rasch reagierte er.

Innerhalb von wenigen Tagen arrangierte er ein „Spitzentuch-Potpourri“

im Walzertakt, mit dem schönen Titel: „Rosen aus dem Süden“.

Der Walzer „Rosen aus dem Süden“ erzielte nun jenen Erfolg, den sich

Strauß für seine Operette: „Das Spitzentuch der Königin“ erhofft hatte.

Er blieb eben der „Walzerkönig“.

Hören Sie den Walzer:

„Rosen aus dem Süden“.

Daran anschließend gönnen wir Ihnen und uns eine kurze Pause.

Wir sehen und hören uns dann in ca. 20 Minuten mit beliebten Melodien von

Strauß & Co wieder.

PAUSE

 

Meine Damen und Herren,

blicken wir einmal kurz auf das Jahr 1867 zurück :

Der renommierte Wiener Männergesangverein bat Johann Strauß-Sohn um ein neues Werk für seinen alljährlichen Narrenabend. Strauß komponierte daraufhin sein Opus 314 : „Walzer für Chor und Orchester“.

Als die Wiener den Walzer jedoch zum ersten Mal hörten, wurde er von einem Männerchor aufgeführt, der die Verse sang, die ein Polizeioffizier und Laiendichter, speziell für diese Gelegenheit gedichtet hatte:

„Wiener seid froh! - Oho, wieso?

Ei Fasching ist da! - Ach so, na ja!

Die Wiener fanden diese Verse sehr albern.

Da entschied sich Johann Strauß sehr schnell für die Orchesterfassung, -

die inzwischen zur heimlichen österreichischen Staatshymne geworden ist.

„An der schönen blauen Donau“!

Als Johannes Brahms diesen Walzer zu ersten Mal hörte, sagte er über Johann Strauß:

„Von allen meinen Kollegen ist mir der Strauß einer der liebsten,

wenn nicht der Liebste überhaubt. - Er trieft von Musik“.

Gleichzeitig schrieb er unter die Anfangstakte von einem Notenblatt des Donauwalzers: „Leider nicht von mir - Johannes Brahms“.

Nach dem Kommando: „Alles Walzer und viel Vergnügen“ , beim jährlichen Wiener Opernball, wo die jungen Damen der Gesellschaft gemeinsam mit ihren Kavalieren zum ersten Mal einen Ball eröffnen, darf der Walzer:

„An der schönen blauen Donau“ nicht fehlen.

So auch am heutigen Abend nicht.

Bitte schön, Herr Jung: „Alles Walzer und viel Vergnügen“

Johann Strauß-Sohn wandte sich unter dem Einfuß seiner Frau und unter dem Eindruck der offenbachschen Operetten der Komposition von Bühnenwerken zu.

Er selbst verwendete die Bezeichnung „Komische Oper“ , - nicht „Operette“.

Sein erster großer Erfolg, wo man sehr stark den Einfuß von Jaques Offenbach spürt, war „Die Fledermaus“.

Mit seiner Operette „Der Zigeunerbaron“, die mit großem Erfolg 1885 in Wien uraufgeführt wurde, lieferte er wieder einen Volltreffer.

Meine Damen und Herren,

Freuen Sie sich jetzt auf unser Chormitglied Dietrich Kämmler.

In der Rolle des Schweinezüchters Szupan gesteht er Ihnen:

„Ja, das Schreiben und das Lesen ist noch nie mein Fach gewesen“.

 

Im goldenen Zeitalter der Operette gab nicht nur Johann Strauß den Ton an.

Von seinen vielen Kollegen der Wiener Operette haben wir nun drei sehr musikalische Herrn für Sie ausgesucht.

Zunächst Franz Lehár, -

der einmal über sich sagte: „Ich bin nicht auf die Welt gekommen, um das Leben zu genießen, sondern, um anderen Menschen Freude zu bereiten“!

Lehár wurde 1870 in Ungarn geboren, studierte in Prag und wurde Militärkapellmeister.

Sein Lehrmeister, Antonin Dvorak, gab ihm eines Tages den guten Rat:

„Werde Komponist“!

Nach der Wiener Uraufführung seiner Operette: „Die lustige Witwe“ ,

1905 unter der Leitung von Robert Stolz, wurde er weltberühmt.

Die junge und sehr reiche Witwe Hanna gesteht bei einem Fest in Paris dem Grafen Danilo , daß Sie bei einer erneuten Heirat ihr gesamtes Vermögen verlieren werde an.................und schweigt.

Da wirbt Danilo um Hannas Hand.

Danilo gewinnt Hanna - und Hanna verliert ihr Vermögen

an.............. ihren Ehemann.....!

Von mehreren Verfilmungen ist uns ein Streifen in besonders guter Erinnerung geblieben:

Mit Johannes Heesters und Theo Lingen, der in seiner unnachahmlichen Art bei Graf Danilo bemerkt:

(genäselte Theo Lingen Imitation): 1 - 2 - 3 - 4 - Ach die Weiber - Ach die Weiber !

Hören Sie nachher:

„Ja das Studium der Weiber ist schwer“

Karl Millöcker,

der Operettenkomponist aus Wien wurde nur 57 Jahre alt.

Nach seinem Studium am Wiener Konservatorium arbeitete er als Theaterkapellmeister.

Sein bekanntestes Werk wurde 1882 in Wien uraufgeführt:

„Der Bettelstudent“

Beim Versuch, die polnische Komtesse Laura zu küssen, wird der sächsische Oberst Ollendorf mit einem Fächerschlag von ihr abgewiesen.

Dietrich Kämmler singt Ihnen das Lied des Oberst Ollendorf:

„Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküßt“

Daran anschließend kommen wir noch einmal zu Jaques Offenbach.

Er leitete in Paris in einem ehemaligen Laboratorium und Schaubude eines Zauberers mit großem Erfolg sein sarkastisch heiteres Musiktheater.

Sein Pariser Publikum nannte ihn liebevoll:

„den kleinen Mozart vom Montmartre“

Seine 1858 uraufgeführte Operette: „Orpheus in der Unterwelt“ hatte Ihn in Paris und Wien auf eine schwindelnde Höhe des Erfolgs gehoben.

Offenbach ließ mit seinem „Can Can“, den er „einen Wahnsinn der Beine“

nannte, seinem überschwenglichen Lebensgefühl freien Lauf.

Hören Sie den: „Can-Can“ aus Jaques Offenbachs

Götterspaß: „Orpheus in der Unterwelt“.

Viel Vergnügen!

Meine Damen und Herren!

unser beschwingter Abend neigt sich nun so langsam dem Ende zu.

„Wer nicht liebt, Wein, Weib, Gesang,

der bleibt ein Narr sein Leben lang.“

Nach diesen Zeilen, die Martin Luther während seines Aufenthaltes auf der Wartburg verfaßt hatte, wurde unser nächster und für Heute letzter Walzer benannt.

Auf einen Text eines Freundes komponierte Johann Strauß-Sohn seinen Walzer für Männerchor und Orchester: „Wein, Weib und Gesang“

Die Uraufführung beim Wiener Fasching 1869, unter der Leitung von Chormeister Rudolf Weinwurm wurde zu einem Riesenerfolg.

Johann Strauß-Sohn saß an diesem Abend als Mönch verkleidet, unerkannt unter dem begeisterten Publikum.

Als der Beifall für seinen Walzer aufbrandete, erhob er sich und segnete huldvoll die Zuhörer.

 

Als Richard Wagner, ein großer Verehrer von Johann Strauß-Sohn,

diesen Walzer hörte, sagte er:

„Er ist doch der musikalischste Schädel, der mir je untergekommen ist“.

In diesem Fall beruhte die Anerkennung und Wertschätzung auf Gegenseitigkeit. Kurze Zeit später spielte Johann Strauß-Sohn bei einem seiner

Wiener-Volksgarten-Konzerte den Chor aus Wagners „Tannhäuser“.

Unser Chor singt Ihnen gleich, - nein nicht den Pilgerchor, - sondern

den Straußwalzer: „Wein, Weib und Gesang“ .

Meine Damen und Herren,

damit möchte sich der „Männerchor Bayer“ -

das „Salon-Ensemble-Pomp-A-Dur“ -

unser Dirigent Ulrich Jung, unsere Solisten - und ich von Ihnen verabschieden.

Wir sagen jetzt schon, vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und Ihren Applaus.

Vielen Dank.

Und nun: „Wein, Weib und Gesang“ !

Meine Damen und Herren,

wir haben noch eine kleine Zugabe für Sie.

Sie kennen ja das Gerede der Leute:

Wissen Sie schon - haben Sie schon gehört - sagen Sie es aber nicht weiter - !

Die Gerüchteküche brodelt.

So war es auch in Wien im Herbst 1858.

Johann Strauß-Sohn blieb nach seinen Konzerten in St. Petersburg länger als erwartet in Rußland.

Wien war sofort voll von Gerüchten.

Aus sicherster Quelle konnte man alle erdenklichen Einzelheiten über

Johann Strauß im Zarenreich erfahren.

Die Wiener tratschten ohne Rücksicht auf Dichtung und Wahrheit über tolle Liebesgeschichten zwischen St. Petersburg und Moskau.

Über die Gerüchte in den Wiener Klatschspalten

war Strauß auf keinen Fall erbost.

Im Gegenteil, er war erheitert und revanchierte sich bei den Wienern mit einer flotten Polka, die den Tratsch mit den Mitteln der Musik nachahmt und persifliert.

Für Sie jetzt die „Tritsch-Tratsch-Polka“ !

Wir wünschen Ihnen einen guten Heimweg und einen schönen Abend.

Auf Wiedersehen. - Klaus Hilger (M-Ch-Bayer-Lev.)

Peter Karl Sczepanek 
Eisenstädter Str. 6, 40789 Monheim am Rhein

Monheim/Rh, den 24.10.2002

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