Wer ist nun der Friedrich von Reden?
Ein Bekannter polnischer Geschichtsforscher der Vorkriegszeit Prof. Adam Pobóg-Rutkowski stellte bereits fest, dass
Oberamtmann und Bergrat Friedrich von Reden zwischen der oberschlesischen Bevölkerung „ein ehrenvolles und ruhmreiches Andenken
hinterlassen hat“ und dass seiner in dieser Provinz immer mit Dankbarkeit gedacht wird.
Ein anderer polnischer Historiker der Nachkriegszeit Prof. Jan Drabina hob in einem seiner Werke mit Bedauern hervor:
„Es ist sehr schade, dass das Denkmal Friedrich von Redens, dem Förderer der Königshütte und der Stadt mit dem gleichen Namen,
von den polnischen Behörden abgerissen worden sei“.
Einer der bekanntesten polnischen Publizisten Przemys³aw Nadolski, der sich oft mit der Geschichte Oberschlesiens
befasste, schrieb bereits im Jahre 1996 „Es sei bereits an der Zeit, dass einige Denkmäler von Personen, die sich in der
Vergangenheit für Oberschlesien große Verdienste erworben hatten, erneut wieder aufgebaut werden könnten. Der Vorrang gebührt hier dem
Oberamtmann Friedrich Wilhelm von Reden, der den Grundstein zur oberschlesischen Industrie legte“.
Wie sieht es heute mit dem Andenken Friedrich von Redens in Deutschland aus?
Hier muss mit Bedauern festgestellt werden, dass Friedrich von Reden in der Preußischdeutschen Geschichte bereits in
Vergessenheit geraten ist, und sein Name trotz seiner großen Verdienste für Oberschlesien um die Wende des 18. und 19. Jahrhunderts in
keinem Lexikon aufzufinden sei. „Was ist denn das für eine Gestalt?“ werde ich oft von vielen Freunden im Rahmen des Internet
gefragt, wo ich mir die größte Mühe gebe das Andenken Redens weiterhin aufrechtzuerhalten.
Friedrich Wilhelm von Reden wurde am 23. März 1752 in Hameln, also nicht als Preuße, geboren. Nach gründlicher
Ausbildung auf der Universität zu Göttingen, schon früh hat er sich dem Berg- und Hüttenfache gewidmet, studierte einige Zeit Geologie
und Bergbau in Heidelberg, und wurde 1775 von Friedrich dem Großen nach Berlin berufen. In diesem Jahr rief Friedrich II von Preußen eine
Kommission ins Leben dessen Aufgabe es war, die Bodenschätze Oberschlesiens zu erforschen und nach Möglichkeiten auszuheben und zu
bewahren. An der Spitze dieser Kommission stellte der König Friedrich von Reden, stellte ihm eine gewisse Geldsumme zur Verfügung und
erteilte ihm zur Lösung seiner Aufgabe erforderliche Vollmachten. Auf diese Weise erschien Reden mit seinen Mitarbeitern in Oberschlesien
und errichtete seinen Amtssitz in Tarnowitz. Schon am Anfang seiner Tätigkeit hatte Reden viel Erfolg aufzuweisen, denn die Erde
Oberschlesiens strotzte ja von Bodenschätzen vielerlei Art, gewann, sich das Vertrauen der einheimischen Bevölkerung denen er ja Arbeit
und Brot brachte und einen Wohlstand, der bisher in dieser Provinz nicht aufzufinden war. Bald entstanden in den Gegen den von Myslowitz,
Laurahütte. Zabrze, Kattowitz und Beuthen O/S Gruben und Hüttenwerke, die nach dem Willen des Preußenkönigs die Bodenschätze aushoben
und verwerteten, wobei die Staatskasse Preußens viel Profit erntete. Im Laufe der Zeit verband sich Reden soweit mit der einheimischen Bevölkerung,
dass er oft behauptete, selbst Oberschlesier zu sein.
Zum Lohn seiner Verdienste für die Entwicklung der oberschlesischen Industrie wurde Reden im Jahre 1786 von Friedrich
Wilhelm II., dem Nachfolger Friedrich des Großen, in den Grafenstand erhoben.
Am Anfang des 19. Jahrhunderts brachen für Preußen und Oberschlesien schwere Zeiten an. Franzosen, die sich ja als
Erzfeinde Deutschlands betrachteten, besiegten unter der Führung ihres Kaisers Napoleon I in den Schlachten von Jena und Auerstädte Preußen,
und es dauerte nicht lange, so besetzten französische Truppen im Jahre 1806 auch Oberschlesien. Nun hob ein großes Plündern an, wobei die
französische Soldateska alles raubte, was nicht niet und nagelfest war. Oberschlesische Gruben und Hütten wurden gezwungen ihre Produktion
einzustallen was nicht ohne Schaden vor sich ging. Kohlen und Erzgruben wurden von Grundwässern überschwemmt, und Hochöfen in den Hütten
wurden stillgelegt. Die Verdienste der einheimischen Arbeiter blieben aus, und Armut verbreitete sich im Lande.
Daraufhin begab sich Friedrich von Reden zu den französischen Besatzungsbehörden, verbat sich die Willkür und Plünderung
der französischen Soldateska und bat um mehr menschliche Maßnahmen von Seiten der französischen Machthabern gegenüber der Bevölkerung.
Viel Erfolg aber hatte Reden während seiner Mission bei den Franzosen nicht aufzuweisen. Nun begab sich Reden persönlich nach Berlin und
erschien bald vor dem Antlitz des Königs. Friedrich Wilhelm III aber hatte andere Sorgen als die Industrie in Oberschlesien. Von jener
Provinz im Südosten seines Landes hatte er wenig Ahnung. Außerdem waren seine Bemühungen bei den Franzosen schon hierher gedrungen,
woraufhin der König ihn ungnädig empfing. Einige Personen aus dem Gefolge des Königs warfen Reden Verrat an der Sache Preußens vor, was
ihn trief traf. Soviel Ungerechtigkeit hatte er nicht erwartet.
Die Audienz beim König dauerte nur einige Minuten und war völlig erfolglos. Niedergeschlagen und hoffnungslos kehrte
Reden an seinen Arbeitsplatz in Tarnowitz zurück. Die Franzosen hausten hier weiterhin unerbittlich, und Reden hatte keinen anderen Ausweg,
als auf den Abzug der Franzosen zu warten. Darauf wartete Reden noch 5 lange Jahre. Nach der Niederlage Napoleons I in Russland 1812 waren
die Franzosen aus Oberschlesien plötzlich verschwunden. Nun warf sich Reden erneut auf seine Arbeit, doch mit seiner Gesundheit war es nun
schlecht bestellt. Reden litt an einer Herzkrankheit und hatte Magengeschwüre, die ihm ungeheure Schmerzen verursachten. Im Jahre 1815
beendete Friedrich von Reden sein arbeitsreiches Leben.
Über das Leben und die Tätigkeit des Grafen von Reden, besonders in Oberschlesien, wurde schon ein Meer von Tinte
vergossen, doch sowohl Deutsche wie Polen waren nicht in der Lage die Verdienste Redens rechtschaffen zu würdigen, und bald fiel der Mantel
der Vergessenheit um seine Person.
Im Jahre 1850 gründete Franz von Winckler, ein landesweit bekannter Industrieller aus Beuthen O/S ein Komitee, welches
sich zur Aufgabe gemacht hatte, Friedrich von Reden in unmittelbarer Nähe der Königshütte, die eigentlich sein Werk war, ein Denkmal
aufstellen zu lassen.
Diesem Komitee traten auch bei:
Graf Hans Heinrich X von Hochberg zu Pleß
Graf Hugo Henkel von Donnersmarck
Graf von Giesche aus Kattowitz
Amtmann von Oeynhausen aus Breslau
Dr. Kuh aus Rabitor
Wilhelm von Olfers aus Berlin
Die Führung und Verantwortung für das Gedeihen dieser Aufgabe übernahm Franz von Winckler. An einem schönem
Sommertage des Jahres 1850 Versammelte sich diese Gesellschaft im Beisein einiger Räte der Stadt Königshütte O/S (heute Chorzów) im
Sitzungssaal der Königshütte (heute Huta Ko¶ciuszko), um über den Entwurf des Denkmals, die Finanzierung und andren Einzelheiten zu
reden. An dieser Sitzung nahm auch Theodor Kalide, ein bekannter Bildhauer der Stadt, teil. Das Projekt des Denkmals wurde bestätigt,
woraufhin Theodor Kalide nach Berlin reiste, um dort in einer Gießerei die Herstellung des Denkmals zu überwachen. Die feierliche Enthüllung
dieses Denkmals fand im Beisein des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm IV in Königshütte auf dem Redenberg am
29 August 1853 statt.
Dieses 3 Meter hohe Denkmal stand bis 1945, und im selben Jahr wurde es von den neuen polnisch-kommunistischen
Machthabern als ein unerwünschter Beweis des Deutschtums auf dieser Erde, vernichtet.
Die Person des Grafen von Reden und seine Verdienste um die Stadt Königshütte O/S sind von den Einwohnern dieses Ortes
bis zum heutigen Tage noch im Gedächtnis geblieben. Daher ist es nicht zu verwundern, dass im Jahre 1997 bei den Bewohnern Chorzów (Königshütte)
besonders der älteren Generation, der Gedanke auftauchte, dass Redendenkmal erneut aufstellen zu lassen: Dieser Gedanke fand viele Anhänger
jedoch die Zahl der Gegner war auch nicht klein. Jene konnten sich nicht mit der Tatsache abfinden, dass sie die Entstehung der Königshütte
und Entwicklung der Stadt mit dem gleichen Namen der Tatkraft eines Deutschen zu verdanken haben. Nun entstand zwischen den Einwohnern der
Stadt eine Diskussion, in welcher rechtschaffene Wahrheit und Vernunft die Oberhand behielten. Nicht unbedeutend ist auch die Tatsache, dass
in Polen daher alter Deutschenhass gegenwärtig nicht am Platze ist. Das neue Redendenkmal in Chorzów (Königshütte) kann eine neue
Gesinnung der einheimischen Bevölkerung herbeiführen und gleichzeitig eine Brücke zur gemeinsamen Verständigung der Völker auf beiden
Seiten der Oder-Neißegrenze darstellen.
Nun stand dem Bau eines neuen Redendenkmales nichts mehr im Wege, und mit der Herstellung dieses Monuments wurde der
geschätzte Bildhauer August Dyrda aus Tichau O/S beauftragt.
Im April 2002 wurde das Denkmal Redens in der Gießerei Art Produkt in Posen in Bronze gegossen und mit allem Drum und
Dran, kunstvoll fertig hergestellt. Die feierliche Enthüllung dieses Denkmales findet in Chorzów am 6 September 2002 statt und zwar am
Hutników-Platz, Hüttenpark in unmittelbarer Nähe der Königshütte (Huta Ko¶ciuszko). An diesen Feierlichkeiten nehmen Vertreter der
polnischen Behörden und Geistlichkeit teil, sowie Nachkommen Redens und eine große Zahl der Bevölkerung von Chorzów und Nachbarstädten.
Wer über das Leben und Werken Redens mehr zur Kenntnis nehmen möchte, empfehle ich das Buch „Friedrich von
Reden“ von einem seiner Nachkommen Arnd von Reden, welches aus Anlass des 250. Geburtstages des Grafen von Reden, mit
vielen Artikeln von Kurt Mendel, Iris B. Hartmann, Frank Eberhardt und Günter Grundmann erschienen ist.
Man kann auch die Internetadresse: www.Redenhof.de empfehlen.
ur. 23. marca 1752, zm.3.lipca 1815
Das Modell hat nach Theodor Kalide heute August Dyrda (geb. 1926 in Tichau) geschaffen. Die Ziselierung hat der
Kunstmetalgießer Herr Sobociñski in Poznañ gemacht.
Bundesheimatgruppe Plesser Land e.V. überreichte dem Bildhauer August Dyrda aus Tichau O/S eine Ehrenmedaille „Mater
Silesia“, welche der Bildhauer erfreut in Empfang nahm.
Die aus Bronze gegossene Gedenkmedaille hat einen Durchschnitt von 7 cm und weist auf einer Seite das Bildnis einer
Amazone auf dem Pferde im Kampf mit einem Panther, sowie die Worte „Mater Silesia“ auf. Dieses Bildnis entstammt aus Entwurf des
großen, oberschlesischen Bildhauers August Kiss (1802 - 1865) der vor rund 200 Jahren in Tichau-Paprozan das Licht der Welt erblickte, und
hier in Tichau, Pless, Nikolai und Gleiwitz die ersten 20 Jahre seines Lebens verbrachte, und 25 Jahre später seine berühmte Statue
„Amazone im Kampf mit einem Panther“ geschaffen hatte. Das Motiv für dieses Werk hatte August Kiss der Antiken Mythologie
entnommen und stellt den immerwährenden Kampf des Menschen um das Überleben dar.
Kulturreferent der Bundesheimatgruppe - Plesser Land e.V.
Peter Karl Sczepanek