Verehrte Anwesende!
Unser Treffen ist für mich etwas Besonderes; lassen Sie mich deswegen bitte das Protokoll umgehen bei meiner namentlichen Begrüßung. Ich
freue mich, unter den Anwesenden ansprechen zu können Herrn August Dyrda aus Tychy, der als Bildhauer dieses Denkmal geschaffen hat sowie
Herrn Roman Liczba von der Vereinigung der Freunde Chorzów namens Juliusz Ligon, die sich für die Wiedererrichtung besonders eingesetzt
haben. Ansprechen will ich auch Herrn Kopel, der als Stadtpräsident mit seinem Gemeinderat die Idee weiter verfolgte, damit dieses Denkmal
errichten errichtet werden konnte an dieser herausragenden Stelle und die dafür auch die Finanzierungsmittel beschafften. Ihnen allen möchte
ich im Namen der Familie von Reden Dank sagen für dieses uns alle verbindende Zeichen der Völkerfreundschaft. Bei dieser Denkmalsenthüllung
will ich aber beim Danken nicht vergessen die Firma Art Product aus Poznan, die den Entwurf des Künstlers ausführte und die Gestalt gab,
die viele Jahre überstehen soll. Und begrüßen will ich Herrn Generalkonsul Doktor Ohr, der hier die Bundesrepublik Deutschland vertritt.
Es ist schon ein besonderer Anlass, der uns an dieser Stelle zusammenführt. Wohl auch ein einmaliger Anlass, denn mit der heutigen
Denkmalsenthüllung wird Friedrich Wilhelm von Reden geehrt, ein Mann dessen Wirken 200 Jahre zurückliegt.
Ein Fremder ist es, der geehrt wird. Ein Ausländer - wie wir heute sagen würden - ein Fremder auch für den Staat, in dessen Diensten
er hier gewirkt hat. Geboren und aufgewachsen in Norddeutschland, im heutigen Bundesland Niedersachsen, er war also kein Preuße. Mit Leib
und Seele war er aber seinem Beruf verbunden, seinem Beruf als „Bergmann“, auch wenn er zusätzlich noch Jurist war. Von Jugend
auf war er dem Bergwesen verbunden. Bei seinem Onkel, der den Bergbau im Harz leitete, lernte er das Handwerk. Claus Friedrich von Reden war
Mitbegründer der Clausthaler späteren Bergakademie und Berghauptmann.
Friedrich Wilhelm von Reden war sehr strebsam, er war besonders interessiert an den technischen Neuerungen seiner Zeit. Neuerungen konnte
er gut in der damals führenden Industrienation England kennen lernen, verinnerlichen und dann hier kopieren und anwenden. Sein Verdienst
ist es, die erste Dampfmaschine auf dem Festland hier in Schlesien bauen und einsetzen zu lassen. „Feuermaschine“ sagte man
damals - und heute? Heute ist die technische Entwicklung auch über die Dampfmaschine hinweggegangen. Hinweggegangen ist sie auch über die
vielen Anwendungsgebiete, die dieser ideenreiche Mann fand und durch hier ansässige Personen gestalten und ausführen ließ, wie
Gebrauchsgegenstände, Schmuck und Medaillen aus Eisenguss.
Wie heute hatte damals der Staat zu wenig Geld zum vernünftigen Bezahlen seiner Bediensteten, und so erhielt Friedrich Wilhelm von Reden
1786 den Adelstitel Graf und statt einer Pension nach der Entlassung als Minister erhielt er den Roten-Adler-Orden.
Um Kohle und Eisen zusammenzuführen ließ er Verkehrswege, Straßen und Kanäle bauen. Statt der bisherigen Verhüttung der Erze mit
Holzkohle, setzte er Steinkohle ein. Hierfür müsste er heute noch von den Ökologen gelobt werden, denn das weitere Abholzen und die
Vernichtung großer Waldflächen wurde überflüssig.
Hier im Lande Schlesien schuf der Oberberghauptmann und Direktor des Oberbergamts einen Mittelpunkt, nein nicht einen Mittelpunkt sondern
mehrere Mittelpunkte der damaligen Zeit, denn vergessen dürfen wir nicht sein Wirken in Buchwald, das nicht nur zu einem Anziehungspunkt für
Gartengestalter wurde. Seine Saatzüchtungen und Anbaumethoden machten seine Erfahrungen auch für Landwirte interessant
Aber hier wurde mit dem Revier ein industrieller Mittelpunkt geschaffen, der auch den Weimarer „Wirtschaftsminister“ mit
seinem Fürsten anzog. Dieser Minister ist uns Deutschen besser bekannt als der „Dichterfürst Goethe“. Aus diesem zunächst
rein geschäftlichen Zusammentreffen wurde eine persönliche Freundschaft.
Auch nach seiner Berufung zum Minister in Berlin lagen dem Grafen Friedrich Wilhelm von Reden seine Bergwerke und Hütten in Schlesien
mit den darin Beschäftigten so sehr am Herzen, dass er gegen den Willen seines Königs dem Eroberer Napoleon einen Treueid leistete. Nur so
konnte er das hier Geschaffene erhalten und weiter führen. Dieser formelle Treueid hinderte ihn nicht, dem von der französischen Regierung
gesuchten Freiherrn vom Stein Unterkunft zu gewähren und ihn sicher über das Gebirge in das schützende Ausland zu geleiten.
Hier in der neuen Heimat des Grafen Friedrich Wilhelm von Reden entstand auf der Grundlage des Kohlebergbaus eine gesunde und starke
Industrie. Dies kann man wohl bezeichnen als den Beginn des Übergangs von der Agrarwirtschaft zur heutigen von Fabriken bestimmten
Wirtschaft. Eine Industrie entstand hier in Oberschlesien, die ohne Gastarbeiter (so nennen wir das heute) aus Sachsen und dem Harz nicht
auskam. Als später das Ruhrgebiet entstand, brauchte man dort die hier ausgebildeten hochqualifizierten Facharbeiter - und wieder siedelten
viele Familien um. Auch ein Verdienst des Grafen von Reden war, dass diese Fachkräfte dank guter schulischer Fortbildungsmöglichkeiten
verfügbar waren.
Durch dieses Denkmal werden wir also erinnert an einen Mann, dessen Arbeit nicht auf den Augenblick ausgerichtet war sondern dessen
Wirken auch noch mehr als 150 Jahre nach seinem Tode zu spüren war. Und ganz im Sinne dieser Zukunftsbezogenheit, die uns in absehbarer
Zeit hoffentlich eine europäische Einheit bescheren wird, habe ich Ihnen, Herr Stadtpräsident, von den jetzigen Besitzern des Redenhofs in
Hameln, dem Geburtshaus des heute wieder auf den Sockel Gehobenen einen Umschlag mitgebracht mit einer kleinen Spende. Wir glauben, dass Sie
den Inhalt bestimmt noch gebrauchen können im Zusammenhang mit diesem Ehrenmal.
Allen hier Versammelten - besonders den bei der Schaffung dieses Denkmals Beteiligten - sage ich meinen herzlichsten Dank, denn heute
haben diese Menschen einen Teil zum Fundament der Brücke für das zukünftige Europa hinzugefügt; in einer guten und freundschaftlichen
Zusammenarbeit auf beiden Seiten der Oder wird ein neues, ein friedliches Europa entstehen.
Ich danke Ihnen, dass ich diese Worte hier sagen durfte.
Arnd von Reden