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Rheinische Post Düsseldorf / Monheim 22.2.2002
“Schlesier zeigen alte und neue Heimat”:
Ausstellung im Schelmenturm wird heute eröffnet
„Sieh mal, da bin ich geboren“
Von Sebastian Honert
Monheim. Für Peter Karl Sczepanek ist es „ein Kampf ums Überleben“. 1050 Kilometer entfernt von seiner
Heimat Tichau im Kreis Pless setzt er sich seit Jahren für das Oberschlesische Kulturerbe ein. Heute wird die Ausstellung mit dem Titel
„Die Schlesier zeigen die alte und neue Heimat“ um 19 Uhr im Schelmenturm eröffnet. Die auf drei Etagen gezeigten Bilder und
Skulpturen spiegeln die Geschichte Schlesiens in Europa.
Thema im ersten Stockwerk ist die preußische Zeit Oberschlesiens. Hier hängen die Bilder von Alfons Wieczorek
(1915-1997), der 1996 mit dem Tichauer Kulturpreis ausgezeichnet wurde. Verschneite Häuser, herbstliche Bäume und sonnendurchflutete
Landschaften lassen den Betrachter an der Idylle seiner Heimat Domowina teilhaben. Die Darstellung der typischen Landschaften und Bauwerken
im Zyklus der Jahreszeiten weckt bei Oberschlesiern Erinnerungen. In früheren Ausstellungen sollen häufig Sätze gefallen sein wie
„Seih mal, da bin ich geboren“ oder „Da sind wir damals spazieren gegangen“. 140 Arbeiten des Künstlers sind
mittlerweile im Besitz von Sczepanek.
Im Nebenraum hängen außerdem Bilder der Kattowitzer Künstlerin Malgorzata Wlodarski, deren Werk Parallelen zu denen
des Breslauer Malers E. W. Knippel (19. Jahrhundert) aufweist.
Wie sehen die Oberschlesier das heutige Deutschland? Eine Antwort sollen die in der zweiten Etage ausgestallten Werke
geben. Hier hängen Bilder des Düsseldorfer Künstlers Stanislaw W. Szroborz und der gebürtigen Tichauerin Helene Golda-Blahut. „Die
Möglichkeit zur individuellen Interpretation macht meine Werke interessant, die Thematik ist zweitrangig“, sagt Szroborz. Mit seinen
Gemälden will er eine „multidimensionale, multistrukturelle Inspirationsquelle“ schaffen. Golda-Blahut präsentiert Graphiken
des Kölner Doms und der Münchener Frauenkirche. Im selben Raum stehen auch fünf Skulpturen des 75-jährigen Bildhauers August Dyrda.
Abgerundet wird die Ausstellung von den Aquarellen des freischaffenden Kattowitzer Künstlers Ireneusz Botor in der
dritten Etage. Die „Schlesischen Reminiszenzen“ zeigen farbenfroh berühmte Oberschlesische Literaten und Industrielle, Bauten
und Denkmäler.
Musikalisches wird von der Pianistin Frene´ Kim geboten. Die Süd-Koreanerin begleitet die Ausstellungseröffnung mit
Werken von Chopin, Rachmaninow, Debussy und Skrjabin.
Westdeutsche Zeitung WZ Düsseldorf / Monheim 25.2.2002
Wahre Spiegelbilder einer wechselhaften Geschichte
„Die Oberschlesier zeigen die alte und neue Heimat“ lautet der Titel einer Ausstellung, die seit Freitag im
Schelmenturm zu sehen ist.
Von Nele Cent
Monheim. Seit Freitag beherbergt die „gute Stube Monheims“, der Schelmenturm, wieder eine
Kunstausstellung. So wie er für uns ein Symbol für der Stadt und somit für unsere Heimat ist, ist auch den Bildern und Skulpturen in
seinem Inneren ein sehr starkes Gefühl von Heimatbewusstsein gemein. Der Titel: „Die Oberschlesier zeigen die alte und neue Heimat.
Peter Karl Sczepanek lebt nun seit 15. Jahren in Monheim und sammelt seit mehr als dreißig Jahren Kunstgegenstände aus
seiner alten Heimat Oberschlesien, aus der er und viele andere nach dem Krieg vertrieben wurden. Besonderen Wert legt er auf die Bilder des
Freundes seines Vaters, Alfons Wieczorek (1915-1997), der sich in seinen Aquarellen besonders mit der Umgebung von Pless beschäftigte,
woher auch Sczepanek stammt.
Verschneite Häuser, herbstliche und sonnendurchflutete Landschaften, Kohlengruben, Schlösser und Kirchen - die Bilder
des Malers lassen den Betrachter an einer idyllischen Darstellung seiner Heimat teilhaben. „Er zeigt den Menschen die positiven Seiten
des Landes und erinnert an unsere Wurzeln“, so Sczepanek, der schon seit Jahren engagiert und liebevoll gegen das Vergessen ankämpft.
„Mein größter Wunsch wäre es, hier in Monheim eine Gedenkstube für die schlesische Kultur zu schaffen. Auch andere sollen etwas
von den Bildern haben, die ich normalerweise in meinen Wohnzimmer hängen habe“.
Tatsächlich stammen über 140 Bilder aus der Sammlung Sczepaneks. Dazu gehören Skulpturen von August Dyrda, des ersten
Bildhauers Schlesiens, und Werke von Malgorzata und Zbigniew Wlodarski, deren Interesse vor allem der Druckkunst gilt und deren Werk
Parallelen zu denen des Breslauer Malers E. W. Knippel (19. Jahrhundert) aufweist. Außerdem finden sich Bilder (Motive: Kölner Dom, Münchener
Frauenkirche) von Helene Golda-Blahut, Aquarelle von Ireneusz Botor sowie Werke von Stanislaw W. Szroborz.
Auf den drei Etagen des Schelmenturms hängen also Bilder unterschiedlichster Stilepochen und Macharten - doch die
Verbindung mit Oberschlesien haben sie alle gemeinsam. „Die Bilder spiegeln die Geschichte Schlesiens wider. Auch sie ist wechselhaft,
verschiedenen Herrscherepochen unterlegen“, so Sczepanek. „Wichtig ist es, Schlesien auch von der künstlerischen Seite zu
betrachten und nicht immer nur als Industrielandschaft, ähnlich dem Ruhrgebiet.“
Stanislaw W. Szroborz stellt auch Bilder von architektonischen Bauwerken aus Monheim, Düsseldorf und Umgebung aus, unter
anderem zeigen sie den Schelmenturm und das Monheimer Rathaus. An dem Abend der Ausstellungseröffnung bot sich viel Zeit für innige Gespräche
für die zahlreichen Menschen schlesischer Herkunft - aber auch viele Nicht-Schlesier zeigten Interesse. Ganz im Sinne Sczepaneks:
„Ich möchte die Heimat wach halten und sie anderen nahe bringen“.
Neugierig: Bis 24. März ist die Ausstellung samstags und sonntags von 15 - 18 Uhr geöffnet.
Monheim Wochenanzeiger / Monheim, den 2.3.2002
Landschaft und Licht Schlesiens
Alte und neue Heimat ist zur Zeit auf Bildern im Schelmenturm zu sehen
Von Ute Burghard
Monheim.
„Aus der Heimat hinter den Blitzen rot
da kommen die Wolken her,
aber Vater und Mutter sind lange tot,
es kennt mich dort keiner mehr...“
Der Geist, der aus diesen Versen des großen oberschlesischen Dichtes der deutschen Romantik, Joseph Freiherr von
Eichendorff, spricht, weht durch den Schelmenturm. Unter dem Titel „Die Oberschlesier zeigen ihre alte und neue Heimat“ wurde in
Monheims historischem Gemäuer eine nicht alltägliche Kunstausstellung eröffnet.
Genau besehen ist es mehr als nur eine Kunstausstellung, Die Präsentation gleicht einer Botschafterin aus einem fernen,
vergessenen Land mit alle seinem Facettenreichtum. Denn Oberschlesien hat in der Tat mehr zu bieten als die grauen Mauern eines
Schwerindustriegebietes, das Ähnlichkeit mit dem Ruhrgebiet der 1950-er Jahre hat. Oberschlesien ist eben auch „anders“.
Die Seiten jenseits der gängigen Stereotypen zu zeigen ist das Anliegen des Ausstellungsmachers Peter Karl Sczepanek.
Der gebürtige Oberschlesier aus Tichau lebt seit 1985 in Monheim. Schon früh beschloss er, seine alte Heimat dort in seiner neuen Heimat
hier bekannter zu machen. Nach dem Motto „Gut Ding braucht Weile“ bewies er dabei einen langen Atem.
Das zahlte sich nun endlich aus. Nach etlichen Präsentationen in Oberschlesien, Düsseldorf, Königswinter und Köthen
bekam er jetzt erstmalig vor Ort ein öffentliches Forum. Schließlich sind viele seit langen Jahren eingesessene Monheimer Bürger gebürtige
Oberschlesier. Gleichwohl bekannte die Leiterin des Kulturbüros, Renate Bugey, in ihrer Begrüßung, dass ihr anfänglich „alles
etwas fremd“ war. Hier hilft die Ausstellung weiter. Sie zeigt außer Kunst auch historische Landkarten zur besseren geografischen
Orientierung sowie einen Aquarellzyklus zur „schlesischen Geschichte“, von Ireneusz Botor. Auf seinen durch besondere
Transparenz hervorstechenden Bildern stellt Botor herausragende Persönlichkeiten der schlesischen Geschichte vor passende Landschafts- und
Gebäudemotive. Kurztexte informieren über den historischen Kontext.
Dabei ist die Kunst ein „hervorragendes Verständigungselement“ über Zeit und Raum hinweg, wie die
Historikerin Dr. Veronika Grabe in ihrer Einführung feststellte.
Insgesamt 70 Bilder und vier Skulpturen von sechs Künstlern sind auf den drei Ausstellungsebenen des Schelmenturms zu
sehen . Obwohl sie sich unterschiedlicher Technik bedienen und verschiedenste Zeitabschnitte oder Orte in ihren Werken vorstellen, ist ihnen
doch eines gemeinsam. Dies ist ihre Verwurzelung in ihrer ostoberschlesischen Heimat, in den Kreisen Tichau und Pless. Das Herzstück der
Ausstellung bilden die Aquarelle mit idyllischer „schlesischer Landschaft“ des 1997 verstorbenen Malers Alfons Wieczorek. Mit
ihm, einem Bekannten seines Vaters hatte die Sammelleidenschaft des Veranstalters Sczepanek vor 35 Jahren angefangen.
Daneben findet der Besucher auch Abstraktes wie zum Beispiel das Lieblingswerk von Stanislaw W. Szroborz. Es ist eine
Komposition aus Farbquadraten mit dem Titel „Lux ex Silesia“ - Licht aus Schlesien.
Die Ausstellung baut eine Brücke zwischen zwei geschichtsträchtigen Kulturregionen, dem Rheinland und Oberschlesien die
im Zuge de EU-Osterweiterung wieder näher zusammenwachsen werden. Das musikalische Rahmenprogramm bei der Eröffnungsfeier bestritt die südkoreanische
Konzertpianistin Frene´ Kim.
Bei der Finissage am Sonntag, 24. März, von 15 bis 18 Uhr warten weitere Überraschungen auf das Publikum. Bis dahin ist
die Ausstellung im Schelmenturm samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 13 sowie von 15 bis 18 Uhr zu sehen. Weitere Infos -
nicht nur zu der Ausstellung - gibt gerne P. K. Sczepanek unter Tel. 6 67 42.
Erfasst: P.K.Sczepanek
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